Historische Blätter 6. (1934)
Friedrich Walter: Maria Theresia und die österreichische Zentralverwaltung
hatten ihn zu vertreten und seinen Geboten Geltung zu verschaffen, da sich einzig in seiner Person der Staat manifestierte und er allein auch gewillt schien, das Wohl des Staatsganzen zum Leitstern seiner Entschlüsse zu machen. Konnte die Behördenreform iure regio durchgesetzt werden, so bedurfte es bei dem Versuche, über die Kontribution mehrjährige Rezesse zu erreichen, Verhandlungen, deren schließliches Gelingen um so mehr überraschte, als Haugwitz den Ständen auch noch in einem anderen Punkte entgegentrat. Bisher war die Kontribution nur teilweise in barem erlegt worden, einen ansehnlichen Teil hatten die Stände in natura zur Deckung des Heeresbedarfes geliefert und dabei ein ausgezeichnetes Geschäft gemacht. Das sollte jetzt ein Ende haben, da Graf Haugwitz auf der Flüssigmachung der ganzen Steuersumme bestehen und die Versorgung der Armee dem Staate, der so wesentlich besser herauskommen mußte, überlassen wollte. Man wird, wenn man diese Absichten und Pläne des Grafen Haugwitz überschaut, nicht nur gerne glauben, daß ihre Durchführung den Staat in glücklichster Weise emporbringen mußte, man wird auch erkennen, wie viele Schwierigkeiten und Hemmnisse, welchen Haß und welche Feindschaft der Mann zu überwinden hatte, der den Mut besaß, an ihre Verwirklichung Hand anzulegen. War es unter diesen Umständen verwunderlich, wenn die Kaiserin zunächst zögerte, dem Grafen ein größeres Tätigkeitsfeld zu überweisen? In Schlesien hatte er zwar die Probe aufs Exempel bereits bestanden, glänzend bestanden sogar. Aber Schlesien war ja klein geworden und es lagen dort die ständischen Verhältnisse einem Vordringen der landesfürstlichen Gewalt besonders günstig. Und man konnte nicht ohneweiters annehmen, daß in einem Lande, wo die Positionen der Stände noch stärker waren, der Erfolg — noch mitten im Kriege — ohne innere Erschütterung erzielt werden würde; und Unruhe im Innern war das Letzte, was Maria Theresia in jenem Zeitpunkte um die Wende 1743/44, da Haugwitz seine erste Denkschrift überreichte, brauchen konnte. Aber das damals gestreute Samenkorn war doch auf fruchtbaren Boden gefallen. Das zeigte schon die Sendung des Grafen nach Kärnten und Krain, das zeigte noch mehr der Auftrag zur Ausarbeitung des Finanzplanes für die gesamten deutschen Erbländer. Es ist hier, ohne den engen Rahmen eines Vortrages zu sprengen, nicht darauf einzugehen, wie Haugwitz nach einem späteren Wort des Fürsten Kaunitz „das ohnmöglich Geschienene möglich gemacht“ hat; es sind auch diese Vorgänge aus den Arbeiten Heinrich Kretschmayrs, 7