Historische Blätter 6. (1934)

Friedrich Walter: Maria Theresia und die österreichische Zentralverwaltung

Joseph Kallbrunners und Melitta Winklers bereits bekannt. Aber das soll hier gesagt sein, daß Haugwitzens hohe Klugheit und meisterhafte Geschicklichkeit und auch seine harte Energie nicht imstande gewesen wären, alle Widerstände zu überwinden, hätte nicht Maria Theresia uner­schütterlich zu ihm gestanden. Und dazu gehörte mindestens ebensoviel Stärke und Tapferkeit, wie sie die feindbedrängten Tage des Erbfolge­krieges von ihr verlangt hatten. Denn alle ihre Ratgeber weigerten ihr die Gefolgschaft. Graf Friedrich Harrach, oberster böhmischer Kanzler, von der Kaiserin vor anderen geschätzt und ausgezeichnet, versagte sich in entscheidender Stunde und wagte sogar das Wort, daß auch ein anderer solchen Unterfangens sich nicht „erkühnen“ dürfe. Graf Philipp Kinsky, Banco- und Kommerzienpräsident, einst Vertrauter und Freund der jungen Königin, entwand sich der eine glatte Entscheidung fordernden Frage, ob er sich getraue, den Haugwitzschen Plan den niederösterreichischen und böhmischen Ständen vorzulegen, mit dem Hinweis auf seine amtliche Überbürdung. Und auch die anderen: Ulfeld, Colloredo und Salburg, alle waren sie gegen Haugwitz. Sogar Johann Joseph Khevenhüller, der treue Obersthofmeister der Kaiserin, an dessen blinder Ergebenheit für seine Herrin niemand zweifeln konnte, auch er war gegen den kühnen Neuerer, konnte sich mit „dergleichen Revolution“, wie er es nannte, nicht befreunden. In jener denkwürdigen Konferenz vom 29. Jänner 1748, in der Graf Haugwitz seine Entwürfe zu vertreten hatte, hielt sich nie­mand zu ihm außer der Kaiserin selbst. Damals wurde stillschweigend zwischen Kaiserin und Minister jener Treubund geschlossen, der einzig vergleichbar dem Bündnis, das Wilhelm I. und Bismarck in der Kon­fliktszeit verbunden, für das Gelingen des großen Werkes erste Vor­bedingung war. Noch in der Sitzung selbst erteilte Maria Theresia die Befehle, welche die Ära des neuen Haugwitzschen Systems inaugurierten: unter das von Bartenstein verfaßte Protokoll aber schrieb sie — und hier hören wir den raschen Schlag ihres leidenschaftlichen Herzens — die bitteren Worte: „Placet, und ist diese Sache nur allzuwahr also abgelofen; in 50 Jahren wird man nicht glauben, dass dieses meine Ministre waren, die von mir allein creirt worden.“ Die Kaiserin, in klarer Erkenntnis der entscheidenden Bedeutung der begonnenen Aktion, hielt auch in den folgenden Stadien der Entwick­lung unverrückbar an Haugwitz fest, wenngleich sie nicht blind allen seinen Ratschlägen folgte. Diese Rückendeckung war um so notwendiger, als die ministerielle Opposition, namentlich Friedrich Harrachs, der Aus­führung des resolvierten Reformplanes die möglichsten Hindernisse in den Weg legte. Jetzt erwies sich allerdings Graf Haugwitz durch seine 8

Next

/
Thumbnails
Contents