Historische Blätter 6. (1934)
Friedrich Walter: Maria Theresia und die österreichische Zentralverwaltung
Sinn der jungen Herrscherin lernte frühzeitig Menschen und Dinge in ihrem rechten Werte erkennen. Sie sah die Schlagkraft der Armee, die einst ein Prinz Eugen von Sieg zu Sieg geführt, erschüttert und erlebte voll die Bitterkeit, mit leeren Kassen einem wohlgerüsteten Feind gegenübertreten zu müssen. Die Reorganisierung des Heeres und eine gründliche Ordnung in den Finanzen mußten die ersten Aufgaben sein, die der endlich gewonnene Frieden zu lösen hatte. Nur dann waren die weiten Grenzen der Monarchie vor bösen Überraschungen zu sichern und nur dann konnte ein kühner Staatsmann, der der Kaiserin gar bald in Kaunitz erstand, den Gedanken auszusprechen wagen, der heimlich in ihrer Seele glühte und an eine tiefe, nie heilende Wunde rührte, den Gedanken der Rückgewinnung Schlesiens. Maria Theresia selbst ergriff die Initiative. „Wie gesehen“, schreibt sie in der erwähnten Denkschrift, „daß die Hände zu dem Dressdner Frieden reichen musté, so habe auch auf einmahl meine Gedenckens-Art geändert und solche allein auf das innerliche deren Länder gewendet, umb die erforderliche Maass-Reguln zu ergreiffen, wie die Teutschen Erblande von denen so mächtigen beeden Feinden Preussen und Türcken, bey ermanglenden Festungen und haaren Geldes, auch geschwächten Arméen noch zu erhalten und zu beschützen wären.“ Diesen Schutz des Reiches durch ein starkes stehendes Heer, beziehungsweise die Beschaffung der für die Aufstellung und Erhaltung eines solchen notwendigen Mittel verhießen der Kaiserin die Vorschläge, die ihr der Präsident des königlichen Amtes in Troppau, Friedrich Wilhelm Graf Haugwitz, unterbreitete. Er hatte ihr — um den äußeren Ablauf der Dinge vorwegzunehmen — schon Ende Dezember 1743 eine Denkschrift überreicht, die sie mit den Prinzipien seiner an preußischen Mustern geschulten Verwaltung bekannt machte. 1746, als er, zum landesfürstlichen Kommissär ernannt, die Untersuchung und Ordnung der ständischen Wirtschaft in Kärnten und Krain durchzuführen hatte, fand er ein neues Feld, seine Grundsätze praktisch zu erproben. Und das Gelingen dieser Mission führte 1747 zu seiner Betrauung mit der Ausarbeitung eines Finanzplanes für die Gesamtheit der deutschen Erbländer. Um die Aufgabe, die Graf Haugwitz sich gesetzt sah und die darin bestand, die Ausgaben für Hof und Verwaltung und die Kosten für ein Friedensheer in der Stärke von rund 100.000 Mann in einem Normalbudget unterzubringen, — um diese Aufgabe zu lösen, glaubte er in erster Linie das Verhältnis der Stände zur Krone zurechtrücken zu müssen. Denn eine Gesundung der Finanzen und ein Hineinwachsen des Staates in die ungemein gesteigerte und immer noch anwachsende Auf5