Historische Blätter 6. (1934)
Friedrich Walter: Maria Theresia und die österreichische Zentralverwaltung
an sich gedankenblassen Probleme, die zu erörtern sind, so kommt dem Thema auch noch zugute, daß hier in einem selten-hohen Grade die Veränderungen am Körper der Staatsverwaltung mit den Grundlagen der österreichischen Innenpolitik verschwistert erscheinen, ja daß die Reform der Verwaltung vielfach der Kaiserin erst die Mittel in die Hand gab, die allein es ihr ermöglichten, ihre bedeutsamen innenpolitischen Ziele zu erreichen. In diesem Zusammenhang wird auch manches Beispiel für die enge Verflochtenheit innerer und äußerer Politik deutlich werden. Oft geschildert, hat die Not und Bedrängnis, die über die junge Königin kam, gleich nachdem sie ihr Erbe angetreten, ihren klassischen Ausdruck in den von Maria Theresia selbst geprägten Sätzen gefunden: „Da sich“, so schreibt sie in der ersten der beiden berühmten Denkschriften, „da sich der unvermuthete betrübliche Todesfall meines Herrn Vatters Höchstseeligster Gedächtnüss ereignet,... fände ich mich ohne Geld, ohne Credit, ohne Armée, ohne eigene Experienz und Wissenschaft und endlich auch ohne allen Rath, weilen ein jeder ... anforderist sehen und abnehmen wollte, wohin die Sachen sich wenden würden. In dieser Situation befände ich mich, da von dem König von Preussen angegriffen wurde.“ Und als zu Ende des Jahres 1741 die Gefahr aufs äußerste stieg, preußische Vortruppen das nördliche Niederösterreich durchstreiften, Linz und Prag in Händen des bayrisch-französischen Heeres waren und der Wittelsbacher als Karl VII. die deutsche Kaiserkrone trug, da schien sich die Sonne des Erzhauses zu neigen. „Gesamte meine Ministri“, erzählt Maria Theresia rückschauend, „anstat Muth mir zuzusprechen, Hessen solchen gänzlich síneken und Hessen nicht undeutlich Sich verlautten, alss ob Sie alles für nicht viel Weniger, als für desperat anseheten ... Ich allein, ohne Eytlen Ruhm zu melden, ware Etwa diejenige ..., die Unter allen diesen Drangsallen den Meisten Muth annoch beybehielte.“ Und die historische Forschung hat der tapferen Frau bestätigen müssen, daß sie nicht zu viel gesagt. Wenn dieser Krieg, der wie wenige ein Ringen um Sein oder Nichtsein war, mit erträglichen Opfern schloß, mit Opfern, die den Bestand des Habsburgerreiches keinen Augenblick in Frage stellten, dann durfte Maria Theresia, die in ihrem innig-starken Vertrauen auf Gott und ihr Recht der wahre Held des blutigen und wechselvollen Streites gewesen, diesen Ausgang vor allem den reichen Gaben zuschreiben, die sie an Seele und Geist für ihr hohes Amt mitgebracht hatte. Diese ersten Jahre waren hart gewesen; aber sie hatten auch ihr Gutes. Denn mitleidlos zerriß das Schicksal alle Schleier, mit denen gefällige Diener sonst gerne die Wirklichkeit umhüllen, und der kluge 4