Historische Blätter 6. (1934)
Fritz Reinöhl: Briefe der Kaiserin Maria Theresia an Erzherzog Maximilian Franz
verabschiedet und der kaiserliche Minister am neapolitanischen Hof Johann Joseph Graf von Wilczek übernahm es nun, Maximilian nach dem Süden zu geleiten. Rom wurde beiseite gelassen und am 9. Juni trafen die Reisenden in Neapel ein, herzlichst begrüßt von der Schwester des Erzherzogs, Königin Maria Karolina von Neapel, und deren Gemahl König Ferdinand. Nach längerem Aufenthalt wandte sich der Erzherzog nunmehr der Ewigen Stadt zu, wo er am 28. eintraf und im Hause Franz Herzans Graf Harras wohnte. Ein Besuch bei Papst Pius VI. war selbstverständliches Gebot. Am 7. August reiste der Erzherzog wieder weiter. Ein längerer Besuch bei seinem Bruder Leopold in Florenz folgte dem römischen Aufenthalt. Vom 11. August bis zum 20. Oktober hielt er sich an dessen Hof auf. In Begleitung seines einstigen Vize-Ajos, des Grafen Thurn, der den Erzherzog betreute, seit er Rom verlassen hatte, setzte der Erzherzog die Reise über Modena, wo die Schwiegereltern Erzherzog Ferdinands besucht wurden, über Turin, wo er die Tage vom 4. bis 17. November verbrachte, nach Mailand fort. Am 7. Dezember verließ er das lombardische Generalgouvernement und nach rascher Fahrt traf er schon am 13. in Wien ein9. Maximilian Franz war ursprünglich für den militärischen Beruf bestimmt; eine langwierige Erkrankung aber, die im Sommer 1778, als der Erzherzog auf dem böhmischen Kriegsschauplatz weilte, zum Ausbruch kam und deren Nachwirkungen lange zur Geltung kamen10, bedingte eine Änderung dieses Vorhabens. Die geistliche Laufbahn wurde für ihn bestimmt. 1769 war der Erzherzog vom Generalkapitel des Deutschen Ritterordens zum Koadjutor seines Onkels, des Hoch- und Deutschmeisters Herzogs Karl von Lothringen, gewählt worden. Im August 1780 wählten ihn die Domkapitel von Köln und Münster zum Koadjutor des Kurfürsten Maximilian Friedrich Grafen von Königsegg-Rothenfels. Der österreichischen Politik war im Kampf mit Preußen um die Vorherrschaft im Reich hiemit ein erheblicher Erfolg beschieden. Am 4. Juli 1780 erlag Herzog Karl einer jäh verlaufenden Erkrankung. Es war daher nötig, daß sich Maximilian Franz zur Übernahme des Amtes des Hoch- und Deutschmeisters, als welcher er auch in die Reihe der Reichsfürsten eintrat, nach Mergentheim begäbe, und naheliegend, daß er bei dieser 9 Über den Erzherzog überhaupt vergleiche das ausgezeichnete Werk Max Braubachs: Max Franz von Österreich, Münster 1925, über diese Reisen ebenda, S. 27 ff., und das von Braubach benützte Reisejournal II. 10 Die Krankheit hatte insbesondere dauernde Minderwertigkeit eines Beines des Erzherzogs nach sich gezogen. 23