Historische Blätter 6. (1934)
Fritz Reinöhl: Briefe der Kaiserin Maria Theresia an Erzherzog Maximilian Franz
wie sie selbst nach Ablauf eines bestimmten Zeitraumes die von ihren Kindern erhaltenen Briefe zu vernichten pflegte, trug sie dies auch ihnen auf6. Im ersten Briefe, den sie im Jahre 1780 an Maximilian Franz schrieb, als dieser seine Reise an den Rhein unternahm, erinnerte sie ihn daran, daß sie übereingekommen seien, ihre Briefe zu verbrennen, widerrief diese Vereinbarung aber insoweit, als sie es ihm freistellte, ihre Briefe mit Ausnahme jener, deren Vernichtung sie fallweise bezeichne, aufzubewahren 7. Von den Briefen des Erzherzogs an seine Mutter ist nur der oben erwähnte erhalten. Die Briefe zerfallen in zwei große Gruppen, in jene, die die Kaiserin 1775 ihrem Sohn schrieb, als er Italien bereiste, und in jene, die sie 1780 an ihn richtete, als er sich zur Inthronisation als Hoch- und Deutschmeister nach Mergentheim begab und einen Besuch des Kurfürsten von Köln hiemit verband. Ihnen gesellen sich zwei undatierte Briefe, deren einer der Zeit entstammen mag, da der Erzherzog schwer erkrankt im Frühjahr 1779 in dem Schwefelbad Baden bei Wien erfolglos Heilung suchte 8. Um das Verstehen der Briefe zu erleichtern, seien einige kurze Angaben über die beiden Reisen des Erzherzogs, während welcher sie entstanden, gemacht. Entgegen den Anschauungen Kaiser Josephs, der seinen Bruder Maximilian hiefür noch zu jung hielt, hatte Maria Theresia beschlossen, ihren jüngsten Sohn, dem sie am 7. Dezember 1756 das Leben geschenkt hatte, im Jahre 1774 auf längere Reisen zu schicken, um seine Bildung zu erweitern. In elfmonatiger Reise, die vom 30. April 1774 bis 23. März 1775 dauerte, besuchte der Erzherzog Deutschland, die österreichischen Niederlande und Frankreich. Kaum heimgekehrt brach er nach Ostern, am 20. April 1775, in Gesellschaft des Oberststallmeisters seines Bruders Ferdinand Johann Franz Grafen Hardegg und des Kammerherrn Wenzel Graf Ugarte nach Italien auf. Durch Salzburg und Tirol, über Verona und Mantua ging es nach Parma, wo Maximilian seine Schwester Amalia, die Gemahlin Herzog Ferdinands I. von Parma, besuchte. Von hier nach Mailand, wo er vom 13. bis zum 21. Mai als Gast seines Bruders Ferdinand weilte, der ihn nach Venedig begleitete, wo die beiden mit dem Kaiser und dem Großherzog Leopold von Toskana zusammenkamen. Am 30. trennten sich die vier Brüder; Hardegg wurde o S. Arneth, a. a. O., Bd. 1, S. XII. 7 Vgl. Nr. 15. 8 Erzherzog Maximilian begab sich einige Tage vor dem 16. Februar nach Baden, von wo er am 13. März wieder nach Wien zurückkehrte. Zeremoniellprotokoll des Obersthofmeisteramtes, Band 1774/80, fol. 283v u. 285. Da die Zeit der Entstehung dieses • Briefes fraglich ist, wurde er nach den datierten eingereiht. 22