Historische Blätter 5. (1932)

Dr. Julius Marx: Eine vormärzliche Wirtschaftskrise im Lichte der amtlichen Berichte

vom Lande stammenden Arbeitslosen die Stadt, die anderen Nichtzustän­digen wurden abgeschoben, die Brünner in Fabriken eingestellt, deren Inhaber sich hiezu „gern“ bereit erklärt hatten. Zur Evidenthaltung wurde bis Oktober eine Registrierung vorgenommen. Zur Harmlosigkeit der Exzesse stehen die 1844 über sechs dem Kriminalgericht Überlieferte verhängten Strafen (V2 bis 2 Jahre) in keinem Einklang. Stillstand herrschte auch im böhmischen Gewerbe. Die Landleute, auf deren Käufe beim Nepomukfeste man rechnete, schränkten sich ein. Die Eisenindustrie litt unter der steirischen und mährischen Konkurrenz. Der Eisenpreis sank von 22 bis 30 fl. W.W. auf 18 bis 22 fl. Besorgnisse lösten die im Schafzüchterverein gezeigten Mustertafeln australischer Wolle und ihrer englischen Preise aus. Aussichten bestanden nur für die Graphitindustrie, die mit der Erzeugung von Schmelztiegeln begann, und die Porzellanindustrie durch die Entdeckung neuer Kaolinlager. Die Lage war also mißlich genug. Die Folge waren zahlreiche, den Kredit sehr erschütternde Zusammenbrüche. Immer umfangreicher wurde die Tätig­keit der Wechselgerichte, immer „gegründeter“ — wie die Polizei be­tont — die Klagen der Ausländer über die mangelnde Reelität der österreichischen Geschäftsleute. Im Gegensatz zur Stagnation in Handel und Gewerbe steht das Bild, das Börse und Geldinstitute bilden. Weite Kreise betrieben Gewinn­spiel, besonders in Bahnwerten, die meist nicht in natura, sondern in An­weisungen gehandelt wurden, weshalb die Verlustgefahr für die Privaten wuchs. Schließlich stellte der Staat alle Privatvereine, die sich mit Aktien befaßten, unter Aufsicht. Die großen Kurssteigerungen schalteten viele kleine Spieler aus. Dadurch wuchsen die Sparkasseeinlagen so, daß man durch Zinsfußermäßigung entgegenzuwirken trachtete, jedoch erfolg­los. Die Sparkasse konnte umfangreiche Eskomptierungen vornehmen, was den Diskont am Steigen hinderte. Das Pfandgeschäft, bei dem das Geld durch den Stempel auf 12% kam, wurde fast eingestellt und alle Geldgeschäfte im Wechselwege abgewickelt. Auch in Prag hatte die Spar­kasse infolge mißbräuchlicher Verwendung durch die Kapitalisten schon über eine Ml. fl. tot liegen; sie setzte deshalb einjährige Kündigungs­frist und geringeren Zinsfuß fest, wies größere Einlagen ab und kaufte Staatspapiere an 23. 23 Lz. B. f. Aug. bis Dez. 1843; Wr., Tr. u. Pr. B. f. 1843; Gr. B. f. April, Juni, Aug. u. Sept. 1843; Br. B. f. Februar bis Okt. 1843; März (Bl.) 1844. — St.-A., M. K. A., Z. 669, 890, 1627 u. 2147 ex 1843. — K a s e r, S. 33, 43. — Selbst Roheisen (Pr. Aprilb. 1843) wurde als Lohn gegeben. — Die Tr. Händler 57

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