Historische Blätter 5. (1932)
Dr. Julius Marx: Eine vormärzliche Wirtschaftskrise im Lichte der amtlichen Berichte
In diese Lage fiel nun die Schutzzollfrage wie eine Bombe. Die erwähnten Gerüchte riefen zunächst einen Ansturm der Wiener Industriellen hervor. Hauptargument war das traurige Bekenntnis, daß man den weitüberlegenen Weststaaten nicht einmal auf dem einheimischen Markte erfolgreich würde begegnen können. Man zöge, hieß es, noch den Zollvereinsanschluß vor, also waren auch in Wien Gegner dieser Frage gewesen. Als eine Denkschrift überreicht wurde, sicherte man wirklich Fallenlassen des Planes zu und Metternich und Kübeck vermochten nicht, ihren Anwalt, Erzherzog Ludwig, umzustimmen. In Steiermark sah man den Schutzzoll als tödlichen Schlag für die Eisenindustrie an, zumal auch von einem Handelsverträge mit England gesprochen wurde. Ganz unerwartet sanken die Eisenpreise, da die Käufer zurückhielten. Auf der Messe von Sinigaglia hatte nur Leinen Absatz gefunden, in Wolltüchern schlugen Belgien und Preußen Österreich, englisches Eisen kostete die Hälfte des heimischen! Eindringlich riet auch der Linzer Polizeidirektor ab, weil man schon gegen den Zollverein nicht auf kam; um sich vor Verlusten zu wahren, ließen die oberösterreichischen Fabrikanten die Frühjahrsarbeit nicht beginnen; die Arbeiter blickten in eine ungewisse Zukunft. In Bayern sagte man, die österreichischen Industriellen hätten den Anschluß verhindert, sie würden auch diese Reform begraben. Die Triester Händler betonten die Rücksicht aufs Publikum. Sie wurden in ihrer Reformfreundlichkeit durch die Broschüre des russischen Staatsrates Tggoborski, aus der die „Augsburger“ einen Auszug brachte, bestärkt. Ähnlich dachte man in Brünn; man sagte, daß der Schutz die „Inferiorität der inländischen Fabriken bedingte“, das Ausland strebe großen Umsatz an und begnüge sich mit 4 bis 5% Gewinn, während man hier 20 bis 40°/o nehme. Die Gegner führten Arbeitslosigkeit und ihre Folgen — gerade waren die Exzesse gewesen — ins Treffen. In Prag befaßte man sich, als die Gerüchte aufflatterten, angeregt durch die Mainzer Gewerbeausstellung und die aufsehenerregende statistische Veröffentlichung der Hofkammer über 1840, mit der Zollvereinsfrage. Erbittert wandten sich die Industriellen gegen den geplanten 50prozentigen Schutzzoll, geführt von dem Publizisten Kreuzberger, der eine Vorstellung an den Kaiser ausarbeitete; nur der Fabrikant Epstein wollte auf bloßes Gerede hin nicht solche Schritte unternehmen. Als jedoch die Kunde vom Einschreiten der Wiener eintraf, gab es kein liehen einander, um d. vorgeschriebenen Fonds auszuweisen, ebenfalls Wechsel. Bei Konkursen vernichtete man belastende Blätter, weshalb Stadion amtl. Bezeichnung jedes Blattes d. Geschäftsbücher wünschte. 58