Historische Blätter 5. (1932)
Dr. Julius Marx: Eine vormärzliche Wirtschaftskrise im Lichte der amtlichen Berichte
drückte den Lohn. 2 bis 3 kr. täglich bei 12 bis lóstündiger Arbeitszeit betrug der Spinnerlohn fleißiger Arbeiter 19. In dieser Notzeit entschloß sich die Staatsverwaltung zu einer großzügigen Ankurbelung der Wirtschaft: Mitte Dezember 1841 wurde der Bahnbau als Staatssache erklärt. Österreich war der erste Großstaat, der sich dazu entschloß. Wien schien Europas Zentralpunkt zu werden, der Anschluß an den Zollverein bevorzustehen. Die Börse beruhigte man durch das Versprechen, für den Eisenbahnbau gegebenenfalls private Hilfe heranzuziehen. Sofort konnte die Wirkung natürlich nicht eintreten, daher wich der erste Begeisterungssturm bald der typisch österreichischen Skepsis; die Sache sei bloß im Interesse der Börseleute gelegen, meinte man. Die Hauptwünsche waren rasch und billig bauen, daher Verwendung des Militärs. Man muß aber feststellen, daß die Staatsverwaltung energisch mit dem Bau begann und auch Massen von Arbeitslosen versorgte, was schon 1842 in Böhmen wohltätig verspürt wurde 20. Auch das Jahr 1842 stand noch immer im Zeichen der Krise. Schon im Jänner gab es in Wien 500 arbeitslose Bandweber, für die nach den schlecht ausgefallenen Frühjahrsmärkten jede Aussicht schwand. Auch bei den bisher günstig gestandenen Seiden- und Weißwebern traten Arbeiterentlassungen ein. Unterkonsumption, Wechsel der Mode, Erzeugung billigerer, seidenähnlicher Stoffe werden als Ursache angeführt. Daß von den österreichischen Seidenerzeugnissen im Werte von I9lj2 Mil. fl. auf Wien allein 12 Mil. fl. entfielen, lehrt, was diese Stockung bedeutete. Die Industrie fand kein Kapital, obwohl zu Jahresbeginn eine solche Entspannung auf dem Geldmärkte eingetreten war, daß man Summen zu 19 B. über die 2. Hälfte 1841 aus den bezeichnten Gebieten. — St.-A., M. K. A., Z. 568 ex 1841. — Zenker, S. 56. — Slokar, S. 376. — Beer, Handelspolitik, S. 26 ff., 33, 504 ff.; Finanzen, S. 200. — Der Tr. u. d. Br. P.-D. bezeichnen den Lebensaufwand d. Erzeuger u. Händler als übermäßig; vgl. dazu Kaser, S. 9 u. 10 (Fußnote 1) u. Beidtel-Huber, II., S. 312, wo der Unternehmergewinn mit 25 bis 30°/o angegeben ist. 20 Stern, II./3. S. 5, 9, 11. — Beer, Finanzen, S. 152 f. — „Ö s t. u. dessen Zkft.“ I., S. 158f. — Kaser, S. 30f. — K. Weiß, II., S. 443. - Beidtel-Huber, II., S. 359ff. — Ed. v. Bauernfeld, Aus Alt- u. Neu- W'ien, Neuausgabe des Schulbücherverlages, Wien 1923; S. 179. — O. Rommel, Die polit. Lyrik d. Vormärz u. d. Sturmj. 1848; S. 102ff. — Gesch. d. öst. Eisenb., I., 216ff. — „Mettern. u. Küb. Ein Briefw.“, S. 1, 9, 10, 16. — Tagebücher Küb., II., S. 7 f. — Wr. Dez.-b. 1841 u. 1842; Lz. 2. Hjb. 1841; Br. B. f. Dez. 1841; Jänner, Juni, Aug. 1842; Okt. u. Dez. 1843; Gr. B. f. Dez. 1841; April bis Juni u. Dez. 1842; Okt. 1843; Pr. B. f. Dez. 1841; Jänner, Aug., Sept. u. Dez. 1842. 52