Historische Blätter 5. (1932)
Dr. Julius Marx: Eine vormärzliche Wirtschaftskrise im Lichte der amtlichen Berichte
Im Spätsommer 1841 schien in Wien Entspannung einzutreten. Zuerst wagte es die Sparkasse wieder, Wechsel zu eskomptieren, hingegen vernachlässigte sie — eine Wirkung des Stempelpatents — das Vorschußgeschäft gänzlich, weshalb die Händler der Staatsverwaltung Hemmung des Geldumlaufes vorwarfen. Nur die Bank, die ihnen Metallschatz ununterbrochen stärkte, pflegte diesen Zweig. Das steigerte die Anforderungen an sie derart, daß man die Errichtung einer Girobank erwog. Im allgemeinen war aber das Wechsel- und Kreditgeschäft durch das Mißtrauen noch so gelähmt, daß Abschlüsse nur gegen Bargeld erfolgten. Die Provinzherbstmärkte, mit Ausnahme des Brünners, fielen befriedigend aus, die Erwartungen aber, die man in den Wiener Allerheiligenmarkt gesetzt hatte, erfüllten sich nur in wenigen Zweigen, in anderen verschlechterte sich die Lage, so daß um Weihnachten umfangreiche Entlassungen platzgriffen. In Triest trat seit August 1841 Erholung ein, jedoch ließen Kredit- und Kapitalmangel nicht viel Regsamkeit aufkommen. Schließlich stellte die Regierung dem Platze 1 Mil. fl. zur Verfügung, worauf der Diskont um 1% sank. Dagegen lehnte sie Stadions Vorschläge, den Freihafen aufzuheben und eine Filialbank zu errichten, ab, ebensowenig vermochte er für eine geplante Eskomptebank das Kapital aufzutreiben. Triests Geldentwicklung blieb in Wiens Händen. In Brünn schloß das Jahr 1841 flau, dagegen berichtete Prag über langsamen Aufschwung in einzelnen Zweigen. Kotton- und Spinnfabriken befanden sich in ruhiger Tätigkeit. Tuch konnte sich infolge des gesunkenen Wollpreises verbilligen. Die lebhafte Bautätigkeit bot bis tief in den Herbst hinein Beschäftigung. Ihr großer Eisenbedarf trieb den Eisenpreis auf 11 bis 12 fl. pro q. Ungünstig beeinflußt wurden die Zuckerfabriken durch den Preissturz des Kolonialzuckers in Hamburg. Die Glasindustrie litt unter den spanischen und südamerikanischen Wirren, weshalb sie sich mehr Vorderasien und Ägypten zuwandte. Am schlimmsten stand es um die Leinenindustrie, weil Maschinen noch immer zu den Seltenheiten gehörten. Ständig sank der englische Leinenpreis und die Rückwirkung auf die armen Gebirgs- weber blieb nicht aus. Der Fabrikant schmälerte seinen Gewinn nicht, er hatte, mußte infolge der heftigen Opposition der Nicht-Österr. im Gemeinderate von ihm geändert werden, was angeblich die Hofkanzlei genehmigte. Darnach wäre aber ihre Einwilligung zur Gemeindeordnung überhaupt wahrscheinlich. Die fremde Opposition schwand indes auch dann nicht. — St. - A., M. K. A., Z. 118 ex 1841; 1448 ex 1843. — Tr. B. f. Juni u. Juli (Bl.) 1843; Februar (Bl.) 1845. — Erwähnt sei noch die Bandieraaffäre 1844: H eifert, Geschichte d. österr. Revolution... 1848/1849, Wien 1907; I., S. 51. 4* 51