Historische Blätter 5. (1932)
Ferdinand Bilger: Karl Albert von Sardinien und General Thurn
schrift, welche die Gattin des Generals über die „Episode in der Nacht am 23. auf den 24. vor Novara“ anfertigte, ohne Datierung, bis auf kleine Unterschiede mit der Meldung vom 27. März an Radetzky gleichlautend, aber am Schluß durch folgende Bemerkung ergänzt: „Und wer war dieser Mann, der mir des Königs Thronentsagung mittheilte, der mir die erste Kunde gab, dass wir die Schlacht ,complettement‘ gewonnen hätten? Der König selbst. Der Feldmarschall war mit diesem Ausgange vollkommen zufrieden. Daß es der König gewesen sey, errieth er; in Casale wurde er erkannt.“ Auch an die Gattin kein Wort, daß er selbst Karl Albert erkannt habe, wohl aber der Hinweis auf jene Meldung von Casale, welche das Geheimnis des Conte di Barge entschleiert hatte. Der zweite Privatbrief Thurns aus dem Archiv in Bleiburg ist an seinen Schwager Douglas Graf Dietrichstein, den Gatten seiner besonders geliebten, in diesen Wochen erkrankten Schwester Gabriele gerichtet, eigenhändig, vom 21. April 1849 aus Novara datiert. Auch hier der gleichartige Schluß: „Es war der König, wie es der Feldmarschall sogleich errieth, als ich ihm den Vorfall erzählte...“ Keine Erwähnung, daß er selbst den König erkannt habe, wohl aber einige neue bezeichnende Details. Ich greife sie aus dem Berichte heraus: „Mit dem Oberst de Barge hat es folgende Bewandtnis. Als Nachts von mir Novara mit Granaten beworfen worden war, kam plötzlich eine Equipage mit 4 Postpferden angefahren. Da ich aber eben ein paar Stunden ruhte, ließ man ihn einstweilen warten. Endlich wurde er zu mir gebracht... er könne mir sein Ehrenwort darauf geben, dass der König Albert die Regierung seinem Sohne übergeben habe und ein Waffenstillstand bereits abgeschlossen worden sey ... Er war in Zivilkleidern ... examinierte ihn über die Umgebung von Novara... und beabsichtigte ihn sodann ins Hauptquartier, dessen Uibikation mir aber nicht genau bekannt war, zu senden ... Als später seine Aussagen sich durch jene zweier Parlamentärs vollkommen bestätigt fanden, schien es mir eher vorteilhaft, daß er sich überzeuge, daß wirklich ein ganzes Armee-Corps sich auf dieser Straße befinde und es weiter verbreite, und nahm daher keinen Anstand, daß er weiter reise...“ Der Bersagliere Cibrarios und die Vorgänge am Wagenschlage in derselben Erzählung werden nach diesen Briefen ebenso wenig mehr zu halten sein als das „Sire“, das Hackländer dem „je vous souhaite un bon voyage“ voransetzte30. Wohl aber besteht die Darstellung von 30 Zur Beurteilung der zweiten Fassung Hackländers möchte ich auf den weiter unten folgenden Versuch, den Reim Radetzkys vom Soldaten und Diplomaten zu erklären, verweisen. 2 17