Historische Blätter 4. (1931)

Karl Großmann: Metternichs Plan eines italischen Bundes

Höfen. So nehme denn Sardinien seine Schaukelpolitik wieder auf und da Frankreich noch zu schwach sei, so schließe es sich „an die Macht, die so gerne die Rolle des Befreiers von Europa geltend macht und nur Gott und seinem Edelsinn Gehör gibt, um die Schwachen gegen die Mächtigen mit der Streitmacht zu unterstützen, die es, durch Gottes Einfluß geleitet, an seinen Grenzen aufgestellt hat“. Am 29. Jänner versicherte der Zar in einem eigenhändigen Schreiben den König seines Schutzes 156. Am 3. Februar richtete de Maistre, es war das übrigens der bekannte politische Schriftsteller, die offizielle Note an das Petersburger Kabinett157. Wieder legte er, ähnlich wie früher der König, nur ausführlicher, die Sachlage dar und erbat die Hilfe des Zaren. „Ohne ihn werde es kein politisches Gleichgewicht mehr geben. Italien gehe zugrunde, alle Fürsten würden Vasallen Österreichs und bald würden sie gar nicht mehr sein. Der König von Sardinien als das stärkste Hemmnis sei am ersten bedroht. Der Plan sei gemacht und zunächst sehe man das Unheil drohend gegen Süden gerichtet, dann aber werde es sich nach Norden kehren.“ Nesselrode antwortete am 8. Februar 158, der Zar habe volles Interesse für die Unverletzlichkeit der Verträge von Paris und von Wien und sei bereit zu freundschaftlicher Intervention bei seinem Verbündeten, auf daß durch peinliche Einhaltung der Verpflich­tungen der Weltfriede erhalten bleibe. Keine Klausel gebe Österreich eine Handhabe, den Simplon zurückzufordern. Zur Legafrage stellte sich das russische Kabinett auf den Standpunkt, daß die Quadrupelallianz vom 20. November 1815 zur Erhaltung der Ruhe und Ordnung in Frank­reich und in Europa 159 neue Bündnisse an der französischen Grenze ausschließe. Denn, argumentierte man in Petersburg, das hieße ja die Restauration in Frankreich als bereits gesichert und wieder drohend hin­stellen und der Allianz die moralische Kraft nehmen. Österreich aber wie Europa hätten keine Ursache, den heilsamen Einfluß dieses Bundes dadurch herabzumindern, daß es ihn durch Teilverträge zu einer Sache zweiten Ranges mache. In diesem Sinne werde Rußland mit den anderen Höfen in Wien vorsprechen, um Österreich von seinen Vorsätzen abzu­bringen. 150 150 Bianchi a. a. O. S. 231. 157 Steigentesch an Mett., St. Petersbg. 1816 März 8, Beil. 2, Abschr., St. A. W., Rußld., Ber., bei Bianchi a. a. O. S. 231, mit Datum vom 17. Jän., Farini a. a. O. S. 326 f. 158 Steigentesch an Mett., St. Petersbg. 1816 März 8, Beil. 3, Abschr., Rußld., Ber., Farini a. a. O. S. 327 f. 159 Neumann, Recueil, Bd. 3, n. 307. 66

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