Historische Blätter 4. (1931)

Karl Großmann: Metternichs Plan eines italischen Bundes

Nesselrode hat auch tatsächlich bei Steigentesch interveniert; sonderbarerweise hat er es sich aber einen Monat lang aufgespart. Öster­reich hatte nämlich inzwischen gegen die russischen Umtriebe in Deutsch­land protestiert und da konnte Nesselrode, so meinte wenigstens Steigen­tesch, die sardinische Sache recht gut als Gegenwaffe brauchen 160. Am 7. März sprach der Minister eine Stunde lang mit dem Gesandten 1G1, überreichte ihm die sardinischen Noten samt der russischen Antwort und drückte ihm das Erstaunen seines Zaren über die österreichischen Simp- lonwünsche aus, da der Kaiser in Paris doch versprochen habe, an der Sache nicht mehr zu rühren. Gar nicht genug Worte aber finde man über die Legapläne, da die Quadrupelallianz doch jede andere Bindung ausschließen müsse. Steigentesch antwortete 161 etwas gewunden, daß sein Hof der Sache ja gar nicht die Wichtigkeit beilege und eine schwache Regierung wie Sardinien sich über alles alarmiere. Seine Politik sei zweideutig und niedrig seit je und verrate in Petersburg Geheimnisse, die keine seien. Die Lega hätte ja gerade zum Schutz Sardiniens sein sollen und zur Ruhe und Sicherheit Italiens und Europas gegen Frank­reich, das der Zar selber als „foyer de revolution“ bezeichnet habe162. Man sieht, es war eigentlich schon ein Rückzugsgefecht, das der öster­reichische Gesandte da abführte. Dagegen waren die Petersburger Ränke nicht der einzige Vorstoß Sardiniens. Im Februar 1816 gingen außerordentliche Gesandte nach Florenz, Rom und Neapel163. Sie alle sollten darauf weisen, wie uner­sättlich Österreich in seiner Ländergier sei. Nicht genug an seinen großen italienischen Provinzen, wolle es unter dem scheinbar harmlosen Vorschlag einer lega italica mit dem Kaiser an der Spitze ganz Italien unter seine Herrschaft bringen — signoreggiare. Bei der Schwäche Frankreichs müsse ein Blinder den wahren Zweck begreifen. Nur Knecht­100 Steigentesch an Mett., St. Petersbg. 1816 März 8, Or. mit 3 Beil., St. A. W., Rußld., Ber. 101 Ebenda. 102 Ähnlich Bianchi a. a. O. S. 231 nach den Berichten des sard. Gesandten in Paris, vom 7. März und des Gesandten in Berlin, vom 17. April. Rußland hat also die anderen Höfe von seinem Schritt verständigt. i63 Nach Rom Graf Barbaroux mit Instr. v. 14. Feb. 1816, Abschr. St. A. T.; nach Neapel Marquis Quesada de S. Saturnino mit Instr. v. 22. Feb. 1816, ebda., Konz.; für Florenz ist weder Datum noch Name genannt, doch gehört die Instr., Konz, ebda., nach Inhalt und stellenweise wörtlicher Übereinstimmung offenbar in dieselbe Zeit. Dazu Bianchi a. a. O. S. 236 f., Reuchlin a. a. O. S. 75 f., Farini a. a. O. S. 328 f., Teresa Buttini, Un manoscritto inedito di Vittorio Emanuele I., Tor. 1921. 5* 67

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