Historische Blätter 4. (1931)

Karl Großmann: Metternichs Plan eines italischen Bundes

Staatsmännern überreicht, da sie sich in den Wiener Kongreßakten findet 25. Er wirft Boselli vor, daß er wohl gar kein rechter Italiener sei, auch von niemand einen Auftrag zu seiner Schrift bekommen habe. Seine schwache Konföderation unter päpstlichem Vorsitz und die Ab­trennung Österreichs, der einzigen Macht, die helfen könne, müsse nur zu neuer Versklavung unter Frankreich führen. Wenn überhaupt eine Föderation sein soll, denn man könnte ja auch an die Herrschaft eines einzigen Fürsten denken, wenn aber, dann nicht unter der Tiara, sondern unter der Kaiserkrone, und zwar einer mit starker Gewalt, nicht Gleich­gewicht, sondern Vorherrschaft Österreichs. Schließlich wird man ja Österreich auch nicht zumuten können, daß es für die Opfer des Krieges auf seine italienischen Provinzen verzichte. Und noch von einem, allerdings auch unbekannten Italiener kam eine ähnliche Arbeit an den Kongreß26. Auch er meint, daß man Österreichs Vorherrschaft in Italien doch wohl wird anerkennen müssen, da es ja auch Haupt des deutschen Bundes und Nachfolger der Kaiser­würde sei. Wäre denn für Italien nicht auch ein ähnlicher Bund unter seiner Führung möglich! Italien, wenn es nur ruhmvoll und glücklich ist, mag es gleich sein, welche Fürsten in den einzelnen Teilen herrschen. Österreich an der Spitze der Halbinsel wäre entschädigt für einen etwa geforderten Verzicht auf unbedingte Souveränität über einen Teil seiner Besitzungen und die Befriedigung des Volkes und die Autorität der Vor­macht müßte jene beruhigen, die das Opfer irgendeines Anspruches bringen müßten. Endlich könnten auch die anderen Staaten darin keine Störung des Gleichgewichtes sehen. Man wird trotz der Hinneigung zu Österreich nicht sagen können, daß diese Schriften von Metternich inspiriert waren, da sie doch zu sehr von seinen Wünschen abweichen. Er wollte ja auch auf dem Kongreß von einer Lega überhaupt nicht gesprochen wissen. Aber gekannt muß er sie haben und er schloß somit später bewußt an Bestrebungen an, die aus Italien selbst kamen. Es spricht ja übrigens auch König Viktor Emanuel I. von Sardinien in seiner Instruktion für den Wiener Kon­greß 27 von einer Lega, natürlich unter ihm und gegen Österreich, muß sie allerdings als unausführbar gleich wieder verwerfen. Auch der 25 St. A .W., Wr. Kongr.-Akten, Fasz. 25, Lettera di un Italiano galantuomo sül libretto stampato nella tipográfia reale di Parigi col titolo etz., Kop. 20 St. A. W., Wr. Kongr.-Akten, Fasz. 25, Idee der Errichtung einer italie­nischen Konföderation, an deren Spitze sich Österreich befände, Kop. ohne Dat. u. Verf. 27 Bianchi, storia della monarchia Piemontese, Bd. 4, S. 501 ff. 42

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