Historische Blätter 4. (1931)

Karl Großmann: Metternichs Plan eines italischen Bundes

Minister Vallaise glaubt in der Instruktion für den Kongreßgesandten 28 etwas von Föderationsplänen zu wissen, mit denen Österreich vielleicht kommen wird. Man muß also sagen, daß der Gedanke um 1814 wirklich nicht neu und unerhört war, vielmehr geradezu in der Luft gelegen ist. Daß auch der deutsche Bund Metternich bei seinen italienischen Plänen vorgeschwebt ist oder vielmehr beide sich miteinander und in wechseln­der Beeinflussung in ihm entwickelt haben, darauf deuten schon die auf­fallenden Parallelen, die sich zwischen den beiden finden 29. Und man wird schließlich auch zustimmen dürfen, wenn ein italienischer Ge­schichtschreiber 30 sagt, Metternichs Pläne seien die Frucht langen und tiefen Nachdenkens und genauen Studiums der Geschichte des Hauses Habsburg gewesen. Auch Metternich selbst sagt später, im Juni 1815, er sei seit langer Zeit mit dem Projekt beschäftigt und habe den Feldzug gegen Neapel als die erste günstige Gelegenheit ergriffen, um es zu ver­wirklichen 31. Metternich konnte also in seinen Plänen wohl an Vorbilder, Wünsche und Gedanken von verschiedener Seite her anknüpfen und diese werden ja auch ihren Einfluß auf ihn geübt haben. Recht eigentlich her­ausgewachsen ist der Plan aber, glaube ich, letzten Endes doch nicht aus irgendwelchen Theorien, vielmehr aus den Tatsachen der politischen Lage selbst. Er sagte sich: Österreichische Truppen und nur diese haben Italien befreit, erobert, haben die italienischen Fürsten in ihre Länder zurückgeführt. Österreich nimmt sich seine verlorenen Provinzen wieder und ihm gebührt jetzt die Vorherrschaft in dem Lande, das sich seit Jahr­hunderten einer solchen gebeugt hat. Man muß diese Vorherrschaft nur gegen den alten Rivalen Frankreich dauernd schützen und dazu ist es nötig, dem wetterwendischen Sardinien, das die Schlüssel zu Italien besitzt, Zügel anzulegen. Es wird ja der König wohl selbst einsehen, wem er sein Land dankt und wer es ihm für die Zukunft garantiert. Dazu verknüpfen ihn noch enge Familienbeziehungen mit dem Hause Habs­burg. Um dem Könige das begreiflich zu machen, wurde Ende April 1814 Fürst Alfons von Windischgrätz vom Kaiser nach Cagliari gesandt. 28 Ebda. S. 504. 29 Srbik, Metternich, Bd. 1, S. 206. 30 R. Giovagnoli, Risorgimento italiano 1815—48, in Storia critica d’Italia, o. J., Bd. 2, S. 172. 31 Metternich an Bellegarde, Wien 1815 Juni 12, Konz. St. A. W., Prov., Lomb.-Ven. 1815/6. 43

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