Historische Blätter 4. (1931)

Fritz Reinöhl: Aus dem Tagebuch der Erzherzogin Sophie

zu haben scheint 6, kommt auch in den unzähligen Dankesworten, die sie Gott in ihrem Tagebuche zollt, zum Ausdruck. Nur aus dieser — um ein Wort Josef Redlichs zu gebrauchen — „mit lebhaft betontem dynastischen Herrschaftsbewußtsein seltsam verwachsenen tiefen Religiosität“ kann ihre Einstellung zu den Ereignissen der Revolution verstanden werden. Erzherzogin Sophie hatte lange vor den Märztagen des Jahres 1848 die Notwendigkeit von Reformen erkannt und war für diese eingetreten 7. Am nachhaltigsten soll dies in zwei angeblichen Familienräten, in welchen die Ereignisse der Pariser Revolution besprochen worden sein sollen, ge­schehen sein 8. Es wurde oft behauptet, daß zwischen Erzherzogin Sophie und der liberalen Opposition eine engere Verbindung bestand 9, daß die Erzherzogin von den bevorstehenden Ereignissen des 13. März gewußt hätte 10 11, ja, was wohl zu weit gegriffen, diesen nicht ferne gestanden seiX1. Wer sich erhofft, aus dem Tagebuche der Erzherzogin Aufklärung über diese bedeutsamen Fragen zu gewinnen, wird enttäuscht sein; es ent­hält auch nicht ein Wort hierüber 12. Die Aufzeichnungen über die Vor­gänge vom 13. bis 15. März halten lediglich den äußeren Verlauf der Re­volution, die die Erzherzogin voraussah und von der sie das Schlimmste für ihr Haus fürchtete13, in großen Zügen fest. Die verurteilenden Worte, welche Sophie gebraucht, lassen allerdings erkennen, daß die Erzherzogin zumindest die Form der Äußerung des Volkswillen mißbilligte. Auch ihre Metternich gegenüber zweifellos bestehende Verbitterung 14 kommt weder in diesen Eintragungen, noch in jener, mit welcher sie des Fürsten Heim­kehr und seiner Audienz bei ihr gedenkt15, zum Ausdruck. „Notre bon vieux Metternich“ nennt sie ihn in jenen; der Empfang, den sie dem Heim­kehrenden, der sehr bewegt bei ihr erschien, bereitete, war nach ihrer Dar­8 Tb. 17. V. 1848. 7 Aufzeichnungen Wessenbergs bei H. Friedjung, Österreich von 1848 bis 1860 Bd. 1, S. 492. 8 Vgl. Heinrich Ritter v. Srbik, Metternich Bd. 2, S. 262. 9 Vgl. Friedjung a. a. O. Bd. 1, S. 15 u. 105; Srbik a. a. O. Bd. 2, S. 265 läßt dies dahingestellt. 10 Srbik a. a. O. Bd. 2, S. 265, hat dies als sehr wahrscheinlich erwiesen; vgl. auch Metternich—Hartig. Ein Briefwechsel, herausg. von Franz Hartig S. 67. 11 Vgl. Josef Redlich, Kaiser Franz Joseph von Österreich S. 26. 12 Auch die bekannte Angelegenheit der angeblich auf Sophies Betreiben von Franz Karl besuchten Versammlung des Gewerbevereines (s. Srbik a. a. O. Bd. 2, S. 264) wird nicht erwähnt. 13 Tb. 8. III. 1848. 14 S. Srbik a. a. O. Bd. 2, S. 262. 18 Tb. 5. X. 1851. 111

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