Historische Blätter 4. (1931)

Fritz Reinöhl: Aus dem Tagebuch der Erzherzogin Sophie

Stellung, die sich mit jener der Gemahlin Metternichs 16 vereinbart, sehr herzlich; sie umarmte den Fürsten und verbrachte über eine Stunde mit ihm im Gespräch. Auch über den Einfluß der Erzherzogin in den Tagen bis zur Flucht nach Innsbruck gibt das Tagebuch keinen Aufschluß; wir hören nichts über die Unterredungen vom 15. März mit Raphael Hussian und Franz Freiherrn von Sommaruga, in welcher sie versprochen haben soll, sich für die Gewährung einer Konstitution einzusetzen 17, nichts über die nächtliche Sitzung der Staatskonferenz, in welcher Franz Karl angeblich in Einlösung dieses Versprechens hiefür eintrat18. Ihre politische Einwirkung auf den Gemahl und auf Erzherzog Ludwig lassen nur zwei Eintragungen erkennen, deren eine vom 16. März besagt, daß sie jenen, der in der Staatskonferenz weilte, von dem stürmischen Andrängen der Juraten verständigte, deren andere vom 25. März mit­teilt, daß sie während eines Familienrates sowohl mit ihrem Gemahl als auch mit Erzh. Ludwig, den sie aus dem Rat rufen ließ, sich besprach. Eingehenderen Aufschluß gibt das Tagebuch über die Flucht nach Inns­bruck. Bisher war man der Anschauung, daß der Plan- schon Wochen vorher entstanden 19 und Erzherzogin Sophie sein vernehmlichster Träger gewesen sei 20. Für das längere Bestehen des Planes, welches Helfert wahrscheinlich gemacht hat21, findet sich im Tagebuch kein Aufschluß; die erste bezügliche Eintragung stammt vom 17. Mai, dem Tage der Ab­reise. Diese besagt, daß während dieses Vormittages Besprechungen über eine Abreise des Hofes zwischen der Kaiserin Maria Anna, der Erzherzo­gin und Franz Karl stattfanden, die zunächst kein Ergebnis hatten. Nach der Mittagsmahlzeit jedoch bat Maria Anna Sophie und ihren Gemahl zu sich und überließ dem Erzherzog die Entscheidung dieser Frage; Franz Karl entschied sich in der Überlegung, daß er seine Pflicht nicht erfüllen könne, wenn der Hof wie in einer Mausefalle gefangen sei, für die Ab­16 S. auch „Aus Metternichs nachgelassenen Papieren“ Bd. 8, S. 113; vgl. auch die berechtigten Vorwürfe Srbiks a. a. O. Bd. 2, S. 291. Daß erst Franz Josephs Besuch bei Metternich die Eltern des Kaisers veranlaßt habe, den Verkehr mit ihm aufzunehmen, wie Srbik a. a. O. Bd. 2, S. 423, meint, scheint mir angesichts der Tatsache, daß Sophie wenige Stunden nach Metternichs Ankunft in Wien durch ihren Obersthofmeister ihrem Bedauern Ausdruck gab, wegen einer Reise nach Ischl Metternich nicht gleich sehen zu können (Nachgel. Pap. Bd. 8, S. 111), doch zweifelhaft. 17 A. Frh. v. Helfert, Geschichte der österr. Revolution Bd. 1, S. 270; H. Reschauer, Geschichte der Wiener Revolution S. 408. 18 Helfert a a. O. Bd. 1, S. 266. 19 Helfert a. a. O. Bd. 2, S. 225. 20 Ebda S. 225, 318; Vitztum a. a. O. S. 116. — 21 Vgl. Anm. 17. 112

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