Historische Blätter 4. (1931)

Herausgegeben von Josef Karl Mayr: Das Tagebuch des Polizeiministers Kempen. September bis Dezember 1859

Bach und Tuvora zu verdecken, mit einer Subventionalabfindung des letzteren endigen dürfte. Abends kam Regierungsrat Hell. Ich tat die schon lange beabsichtigte Frage an ihn: „Warum trat Baron Hübner eigentlich zurück?“ (Antwort:) „Weil er dem Kaiser die Notwendigkeit einer Konstitution für alle Provinzen empfahl und die Gebarung des Finanzministers 104a als nichtswürdig geschildert — und dies alles um­sonst.“ Hell versicherte mich, in dieser Weise von Hübner informiert worden zu sein. 13. Dezember. Seit einiger Zeit erschienen in der „Morgenpost“ Aufsätze über die k. k. Gendarmerie, welche eine ungerechte Kritik über dieselbe und weitere gedankenlose Vorschläge enthalten. Heute erzählte mir der Gendarmerierittmeister Schatz 104b, diese Aufsätze rührten von dem pensionierten Gendarmerieobersten Martiny her, welcher überdies vom Statthalter Grafen Strassoldo 105 zu Beratungen über Reorganisie­rung der Gendarmerie beigezogen wird. Man ist hohen Orts hievon in Kenntnis und wird dem Obersten seine unberufenen Vorschläge emst- lichst rügen. Ich besuchte Hofrat Dräxler106. Seine Klagen über In­konsequenz der Staatsverwaltung, über unerwartete ah. Entscheidungen im Haushalte des Kaisers, über die von Graf Grünne107 geübte viel­fältige Willkür — wie z. B. die Verschmelzung aller Gardefonds, um Generale aus der Armee in die Garde zu bringen — und nebenbei Klagen über die übermäßige Reitlust der Kaiserin wollten gar kein Ende nehmen. 14. Dezember. Polizeikommissär Sedlaczek 108, welcher früh bei mir war, sprach ganz entmutigt über die gegenwärtigen Verhältnisse des Polizeiministeriums; an der Spitze desselben herrsche gar keine Selb­ständigkeit und allenthalben könne man von den Beamten hören, das Polizeiministerium sei nur eine Sektion des Ministeriums des Äußern. Eintragung erwarten würde — beraten. Tuvoras bisherige publizistische Tätig­keit in Bachs Diensten und die Gefahr eines neuerlichen Frontwechsels dieses gefürchteten Talentes bestimmten die Minister zur Bewilligung einer Subvention von monatlich 100 fl. (Haus-, Hof- und Staatsarchiv.) i04a Baron Bruck. io4b Personaladjutant des Gendarmerieinspektors. 105 Statthalter der Steiermark. 108 Kanzleidirektor des Obersthofmeisteramtes. 107 Grünne war damals Oberststallmeister und Kapitän der Garde­gendarmerie. io? im Präsidium des Polizeiministeriums verwendet. 101

Next

/
Thumbnails
Contents