Historische Blaetter 3. (1921-1922)

Edmund Friess: Der steirische Erzberg. Eine geschichtliche Skizze

Kapitalsmacht Avar imstande, sich auf neue technische Methoden, die kostspielige bauliche Veränderungen und Neubauten erforderten, in größerem Ausmaße einzulassen. Allerdings sind auch hier einzelne Groß­industrielle Amrangegangen und.haben in Steiermark die neue Flamm- frischerei, das von dem Engländer Cort im Jahre 1788 erfundene Pud- deln, eingeführt und zu diesem ZAvecke eigene PuddlingSAverke errichtet. Der Flammofen überführte ungefähr sechsmal so rasch das Roheisen in schmiedbares Eisen als das alte Holzkohlenherdfrischen. Gleichzeitig mit dem Puddlingsprozeß bürgerten sich auch die ersten Walzwerke hier ein, die das durch Puddeln gewonnene Fabrikat, vierkantige Eisen­blöcke, gleich den Hammerwerken weiter verarbeiteten. Während Franz Mayr (t 1847) das erste Puddlingswerk der Steiermark in Donawitz (1837) anlegen ließ, hatte Franz Pauer Ritter von Friedau um dieselbe Zeit (1839—1840) dort ein neues Blechwalzwerk erbaut. Es war nicht das erste in Österreich. Dem Friedau und dem Josef Pesendorfer, der seine Blech- und Streckwalzwerkanlagen zu Rottenmann begründete, war Andreas Töpper schon voraus geeilt. Im Jahre 1815 hatte er ein Walzwerk bei Leoben in Betrieb gesetzt und zwei Jahre später (1817) venvandelte er ein altes, kleines Zerrennhammerwerk zu Neubruck bei Scheibbs in die erste große in Österreich bestehende Eisen-, Stahl- und Walzblechfabrik1. Auch der gleichnamige Sohn des Franz Mayr, der seit 1859 das Adelsprädikat „von Meinhof“ trug und 1872 baronisiert Avurde, hatte 1846 ein Walzwerk in Donawitz errichtet. Sein Name ist auf immenvährende Zeiten mit der Geschichte der österreichischen Eisengußindustrie verknüpft. Denn er ließ das erste Gußstahlwerk in Österreich erbauen 2, führte die Siemens- und Martinsöfen ein und er­setzte zuerst in den steirischen Eisenwerken die Wasserkraft durch Dampfbetrieb, bei dem er die Steinkohlenfeuerung in Verwendung brachte. Auch Vinzenz Fürst hatte zu Thörl in Steiermark um das Jahr 1860 die Wallonen-Schnellfrischmethode eingeführt, ein Walzwerk und einen Eckmannschen Gasofen in Betrieb gesetzt. Da kam zu Ausgang der Siebzigerjahre des 19. Jahrhunderts ein harter Schlag für die Absatzmöglichkeiten der Halb- und Ganzfabrikate aus Erzberger Eisen und Stahl, das vor dem Roheisen der meisten anderen Länder den Vorzug wegen des geringen Phosphorgehaltes genossen 1 Vgl. Topographie von Niederösterreich, herausg. vom Vereine für Landes­kunde von Niederösterreich, 7. Bd. (Wien 1915), S. 88. 2 Neben Pantz, Die Gewerken a. a. 0., vgl. über Gußeisen auch Eduard Leisching, Über Gußeisen, mit besonderer Berücksichtigung des österreichischen Kunsteisengusses. In: „Kunst- und Kunsthandwerk“, Monatsschrift, herausg. vom österreichischen Museum für Kunst und Industrie, XX. Jahrg. (Wien 1917.), S. 185—219.

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