Historische Blaetter 3. (1921-1922)

Edmund Friess: Der steirische Erzberg. Eine geschichtliche Skizze

oberster landesfürtätlicher Beamter dieses Eisenwesens war, der Hebung der Industrie im Wege gestanden. Er mußte den Instruktionen folgen, die er von der Hofkammer in Wien empfing. Diese hatte aber nur die Steuerschraube anzuziehen im Sinne. Die Gewerkschaft trieb Zeiten des tiefsten Notstandes entgegen, in denen jahrzehntelang keine Dividenden­zahlung erfolgte. Auch die Aufhebung des Oberkammergrafenamtes (1782), das der Hauptgewerkschaft die freie Selbstverwaltung zurückgab, fruchtete nicht viel, da es den Gewerken, die in der Leitung sich befanden, an kaufmännischer Ausbildung gebrach, und die weite Entfernung von Steyr, wo die Beschlüsse gefaßt werden mußten, jedes rasche Handeln verhinderte. Da übernahm im Jahre 1799 die ein Jahr zuvor begründete Kanal- und Bergbaugesellschaft den Anteil des Verlagsgliedes Steyr sowie diejenigen Gewerkenanteile, die der Landesfürst in ihrem Not­stände eingelöst hatte, samt den Funktionen des Oberkammergrafen­amtes, die nach dessen Auflösung an die Stadt Steyr gefallen waren. Aber auch diese Gesellschaft zerfiel. Eine eigene Hofkommission in Kanal- und hauptgewerkschaftlichen Angelegenheiten, an deren Spitze ein Präsident stand, übernahm nun die Verwaltung der Hauptgewerk­schaft (1805). Doch bald (1808) sah sich der Staat zur Übernahme ge­zwungen, riß auch die meisten Einlagen an sich, gab die Leitung an die montanistische Hofkammer ab, die das Oberkammergrafenamt neu or­ganisierte (1810—1816) und dann die k. k. Innerberger Eisenwerks­direktion an dessen Stelle treten ließ, und verkaufte schließlich den ganzen Bestand im Jahre 1868 an die zweite Innerberger Hauptgewerk­schaft, in die auch später die kleineren noch unverstaatlichten Werke aufgegangen sind. Von dieser Aktiengesellschaft erwarb die Alpine Montangesellschaft in den Jahren 1882—1884 diesen Erzbergteil, und somit war nahezu eine Konzentration des Gesamtabbaues erreicht wor­den. Sie ließ eine Reihe von alten Hämmern und Hochöfen auf, kaufte und baute neue Anlagen, die der Moderne entsprachen, meistens in Orten, die in der Nähe von Kohlenbergbauen lagen. So wurde Dona­witz groß und auf diese Weise wurde Zeltweg von Bedeutung. Auch be­schränkte sich die Gesellschaft immer mehr auf die Roheisenerzeugung und stieß andere Werke, wie Drahtzüge usw. ab.1 Diese Zentralisation des ganzen Erzbergbaues, die durch Vergesell­schaftung hier geglückt war, hatte den großen Vorteil, die Konkurrenz in der Eisenerzeugung anderer Staaten auszühalten. Denn nur eine große 1 Vgl. Norbert Krebs, Die nördlichen Alpen zwischen Enns, Traisen und Mürz. In den geographischen Abhandlungen hersg. von A. Penck, 8. Bd., 2. Heft (Leipzig 1903), S. 74 (314) ff.

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