Historische Blaetter 3. (1921-1922)
Edmund Friess: Der steirische Erzberg. Eine geschichtliche Skizze
mauern in den Städten und Flecken an den Grenzen des Reiches wurden für die defensive Kriegführung stärker befestigt.1 Rund zweihundert Jahre dauerte, von einigen Unterbrechungen abgesehen, das Ringen mit diesem gefährlichen „Erbfeinde“ an. Der Handel der Wiener Kaufmannschaft, der vom Mittelalter her stark nach Osten orientiert war, erlitt durch die lange Türkenherrschaft in dem größten Teile des ehemaligen Königreiches Ungarn empfindsame Einbußen. Denn landesfürstliche Exportverbote auf Eisen nach der Türkei verhinderten zeitweise die Eisenverfrachtung nach den türkischen Ländern und somit auch nach dem Paschalik Ungarn für ehrliche Wiener Kauffahrer. Serbische Kaufleute („Raizen“), die sich in Wien auch niedergelassen hatten, führten damals große Mengen von Eisenwaren, besonders Draht, Weißblech und Messer, nach Ofen und Belgrad. 1678 war ihre Austreibung aus Wien erfolgt.5 Ein Wandel zu einem ausgedehnten österreichischen Aktivhandel im Oriente vollzog sich aber erst nach dem siegreichen Vordringen der Österreicher unter der Führung des Prinzen Eugen von Savoyen. Die Frömmigkeitswelle, die mit der Reformation ins Land gekommen war, in Österreich aber durch die Gegenreformation zu einer innerlichen Vertiefung des Katholizismus geführt hat, hatte ihren höchsten Stand erreicht. Sie hat zum Siege über die Türken nicht wenig beigetragen.3 Allmählich durchbrach auch die österreichische Regierung ihre reservierte Haltung zur Pforte. Es begann ein reger Verkehr nach dem Osten einzusetzen, und zwar auch direkt, nicht via Ungarn allein, wo meist türkische Spediteure den Handel besorgten\Die Handelsbegünstigungen Österreichs auf türkischem Boden, die im Passarowitzer (1718) und 1 Man vergleiche die Bitte der Stadt Rudolfswert in Krain an die Hofkammer um Hilfs- und Gnadengeld für die Stadtbefestigung. Hoffinanzprotokollbuch. Expedit, Jänner 1553, fol. 3 r, Wiener Hofkammerarchiv. 2 Vgl. C. v. Peez, Alte serbische Handelsbeziehungen zu Wien. In den Mit- teilungen des Institutes für österreichische Geschichtsforschung, XXXVI. Band (Innsbruck 1915), S. 500—510. 3 Vgl. die gehaltvolle Freiburger (i. Br.) Prorektoratsrede des Georg von Below, Die Ursachen der Reformation. In der historischen Zeitschrift, 116. Bd. (München—Berlin 1916), S. 377 ff. Diese Frömmigkeitswelle, die unter anderem die genossenschaftliche Seite in den Zünften wieder belebte, offenbart sich auch in der barocken Kunst. Der Kapuzinerorden findet weite Verbreitung im Lande, die alten Klöster erheben sich wieder in Mannszucht, die Wallfahrtsorte blühen. 4 So erhielten 1722 (Mai 14) die türkischen Handelsleute Bogos und Omer Pascha von der österreichischen Hofkammer je einen Paß zur Verfrachtung von 4000, beziehungsweise 2000 Stück Sensen von Wien nach der Türkei gegen Abgabe von 3 %. Hoffinanzprotokollbuch der österreichischen Hofkammer, 1722, Registratur, fol. 215 r, Hofkammerarchiv in Wien. Unter gleichen Bedingungen wird am 3. August 1722 dem Türken Hassan Pascha („Bassa“) ein Paß zur Verfrachtung von 100 Zentnern alten Eisens von Belgrad nach der Türkei ausgestellt. Ebenda, fol. 383 r. 13