Historische Blaetter 3. (1921-1922)

Edmund Friess: Der steirische Erzberg. Eine geschichtliche Skizze

Belgrader Friedenstraktate (1739) niedergelegt wurden, erfuhren im Jahre 1784 noch eine Erweiterung dahingehend, daß die unter kaiser­licher Flagge segelnden österreichischen Handelsschiffe mit eigenen Waren beladen den Kanal von Konstantinopel und d!as Sehwarze Meer frei befahren dürfen1. Allerdings das Hauptabsatzgebiet für die Erzeug­nisse der Innerberger Hauptgewerkschaft blieb Deutschland. Auf diesen Jahrmärkten, von denen vorhin die Rede war, schlossen die Kaufleute gegen Geld Vorschüsse die Lieferungsverträge mit den Steyrer und Leobener Verlegern sowie mit Eisenhändlern der Klein- eisenindustiieerzeugnisse ab. Doch mehrten sich im 18. .Jahrhunderte die brieflichen Bestellungen zusehends \ Der Verschleiß des Innerberger Eisens ging vor und nach der Grün­dung der Hauptgewerkschaft (1625) vom Eisenerzer Hämmergebiete nach Steyr, von da nach Österreich unter und ob der Enns, Böhmen, Mähren, Schlesien, Polen, Moskau und Persien, sowie südlich der Donau nach Westungam, dann ins Deutsche Reich, besonders nach Regensburg, Nürnberg und Frankfurt am Main, den drei Reichslegstätten, von da nach Frankreich, Spanien, Holland, England und Indien. Das Vordem­berger Eisen lief die Route über Leoben nach Mürzzuschlag, von da über den Semmeringpaß nordwärts nach Schottwien, Wiener-Neustadt und nach Wien, wo es mit dem Innerberger Eisen zusammentraf, nach Un­garn und in die südslawischen Länder, dann in das Salzburger Erzstift, an Radstatt vorbei, von da nach Tirol3, Bayern, Schwaben, in den Breis­' Vgl. Commerz-Index, Litorale, 1784—1785, f. 35 v—36 r, Wiener Hof­kammerarchiv. Der österreichische Handel nach der Levante war Ende der Siebzigerjahre des 18. Jahrhunderts allerdings zurückgegangen. Die Schuld an diesem Rückgänge schrieb die Hofkammer der großen Verbreitung der Reichs­konventionstaler in der Levante zu, obwohl die Kaiserin Maria Theresia noch andere Ursachen vermutet. Vgl. den Vortrag des Grafen v. Kollowrat an die Kaiserin vom 26. Juni 1779, Orig.-Pap. im Wiener Hofkammerarchive (Kredit­akten, Staatsvoranschlag für 1778;. 2 Ich werde darauf eingehender zu sprechen kommen bei meiner Arbeit über das Geschäftsbriefregisterbuch des Sensenschmiedmeisters Simon Stainhueber in Poderausser bei Judenburg (in Steiermark), in dem uns der ganze geschäftliche Briefauslauf dieser Sensenwerkstätte aus den Jahren 1726—1745 erhalten ist. Die Sensen dieses Werkes wurden hauptsächlich durch Salzburger Frächter an Kaufleute in Deutschland (Nürnberg, Frankfurt a. M., Regensburg, Fürth, Ingolstadt und Allstedt in Sachsen), der damaligen Republik Genf und der eidgenössischen Stadt Schafihausen am Rhein zugeführt. Dieses Geschäftsbrief­registerbuch (0°, in braunem Leder gebunden, unfoliiert) ist Eigentum des Wiener Apothekenbesitzers Paul Redtenbacher. a Einige Beispiele: Im März 1553 bewilligte Ferdinand I. den Schmelzern und Gewerken zu Kitzbühl in Tirol zur Fortführung ihres Bergwerkes jährlich 500 Sämb Vordernberger Eisen und noch mehr, falls es notwendig sein sollte, einführen z,u dürfen. Hoffinanzprotokollbuch der österreichischen Hoükammer 1553, fol. 53 r, Wiener Hofkammerarchiv. — Um dem Leobener Eisenhandel keinen Schaden zuzufügen, war den Gewerken des Eisenbergwerkes in der

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