Historische Blaetter 3. (1921-1922)

Edmund Friess: Der steirische Erzberg. Eine geschichtliche Skizze

in Linz *, seitdem der Wiener Markt zurückgegangen war. Die Streitig­keiten unter den Mitgliedern des Erzhauses in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, dann die Kriege mit Böhmen und Ungarn, hatten eine arge Verwirrung und Verschiebung in die Handelsbeziehungen und -wege mit und in Österreich gebracht. Linz, das außerhalb des von den Ungarn besetzten österreichischen Gebietes lag, konnte sohin leicht Teile des Wiener Absatzgebietes an sich reißen“. Sein Markt galt im 17. und noch im 18. Jahrhunderte für die Innerberger Hauptgewerk­schaft als größter Handelsmarkt für das Ausland1 * 3. Seit dem 16. Jahrhunderte zogen fremde Kaufleute in immer größerer Zahl auch zu dem Simonimarkte in Krems a. d. Donau und nach dem Paulimarkte in Freistadt (in Österreich ob der Enns). Erst im 17. Jahrhunderte fanden sie sich wieder stärker auf dem Wiener Markte am Katharinentage ein. Der Rückgang in der Wiener Marktfrequenz im 16. und 17. Jahrhunderte war wie der im 15. Jahrhunderte einsetzende durch die Unsicherheit für die Kaufleute bedingt, die auch später noch, als diese Gefahr geschwunden war, vielfach gewohnheitsmäßig die westlicher gelegenen Märkte aufsuchten. Denn ein politisches Ereignis von schwerwiegender und langandauern­der Bedeutung hatte die ruhige Entwicklung, die in den Zeiten Maximi­lians I. wieder angebahnt worden war, gewaltsam durchschnitten: Der deutsche Territorialstaat Österreich war im Jahre 1526 durch den Zu­wachs der Länder der böhmischen Krone und Westungams zu einem großstaatlichen Gebilde angewachsen, das eine große Zahl nicht deutsch­sprechender Bevölkerung beherbergte und die länder- und beutegierigen Türken zu unmittelbaren Nachbarn bekam. Tore, Türme und Ring­1 Joseph Kenner, Bruchstücke über die Linzer Jahrmärkte (im 5. Berichte über das Museum Francisco-Carolinum in Linz, 1841, S. 111—248) bietet ein Verzeichnis der Ortschaften, aus denen Kaufleute in den Jahren 1496—1499 zur Linzer Messe strömten. * Vgl. Theodor Mayer a. a. 0., S. 120. 3 Ein Beispiel möge genügen. Zu Septemberbeginn des Jahres 1599 wird der österreichische Kriegszahlmeister Michael Zeller von der Hofkammer ermahnt, allen Fleiß zu verwenden, um zur Verproviantierung der Festung Wardein 30.000 Gulden in Oberungarn, sowie ferner 10.000 Taler aufzubringen, „weil die kaufleut nunmehr wieder von Lincz kömben.“ Gemeint ist der Bartholomäus­markt in Linz a. d. Donau. Hoffinanzprotokollbuch der österreichischen Hof­kammer von 1599, Registratur, Prag, fol. 191 r, Wiener Hofkammerarchiv. Im 18. Jahrhunderte ließ der Besuch der Linzer Messen allerdings nach. Die österreichischen Stände glaubten den Verfall auf die unter Karl VI. vorgenomme­nen Zollerhöhungen zurückführen zu müssen. Salzburg, München und Passau be­mühten sich, Teile des Linzer Handels an sich zu ziehen. Vgl. Adolf Beer, „Die Zollpolitik und die Schaffung eines einheitlichen Zollgebietes unter Maria Theresia“. In den Mitt. d. „Instituts f. österr. Geschichtsforschung“, XIV. Bd. (Innsbruck 1893), S. 240.

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