Historische Blaetter 3. (1921-1922)

Edmund Friess: Der steirische Erzberg. Eine geschichtliche Skizze

grundherrschaftliche Pfleger nicht vorgeschrieben hatte, seine Fahrhabe besser als in Holzbauten zu bergen. Er ließ sich ein Giebelhaus aus Kalkstein bauen, den die nördlichen Alpen im reichen Maße liefern. Viele welsche Maurer zogen damals ins Land, und mancher von ihnen wurde seßhafter Bürger innerhalb der schützenden Mauern.1 Da die wenigsten österreichischen Eisenhandelsleute über die zum Großhandel nötigen Kapitalien verfügten, und es vielen an weitblicken­dem Unternehmungsgeiste, noch mehr aber an Ausdauer und Energie gebrach, so mußten sie es sich gefallen lassen, wenn landfremde Männer den Rahm vom Handel schöpften. Wird doch noch in der Zeit Maria Theresias über das Fehlen bedeutender Handelshäuser in Österreich seitens einsichtiger Staatsmänner sehr geklagt!2 Die meisten Großhändler stellten im 15. und 16. Jahrhunderte die Oberdeutschen, besonders die Nürnberger, daneben auch Polen, Böhmen und Italiener. Nürnberger3 Kaufleute oder deren Faktoren schwärmten wie Bienen selbst in die kleinsten Märkte Österreichs und Ungarns, genau wissend, wo es noch unausgenützte Handelsverbindungen anzu­knüpfen gab. Einen besonderen Anziehungspunkt bildeten seit altersher die Jahrmärkte in den Städten. Zahlreich erschienen die Oberdeutschen neben anderen Gästen zu dem Oster- und zu dem Bartholomäusmarkte 1 Diese Beobachtungen habe ich beispielsweise am Materiale des Stadtarchives von Waidhofen a. d. Ybbs in Niederösterreich gemacht. In dieser Stadt dringt ein welscher Maurermeister namens Domini Reddis, der anfangs als Welscher — im verächtlichen Sinne — bezeichnet wird, in das Ratsmittel ein. (Heute das gesamte Material im Waidhofener Musealarchive.) 2 Vgl. August Fournier, Historische Studien und Skizzen, 2. Reihe (Wien und Leipzig 1908), S. 62 bis 63, 85 und 87. 1659 schlägt der Steyrer Eisenobmann Glaser v. Erdheim bei der Wiener Hofkammer die Einführung eines Auf­schlages zu Mauthausen a. d. Donau für die Kirch- und Micheldorfer Sensen und Strohmesser, die nach Freistadt in Oberösterreich verführt werden, vor, um die Umgehung der Ybbser und Steiner Maut für die landesfürstliche Kammer verschmerzlieh zu machen, und führt dabei gleichzeitig an, daß dieses neue Gefälle nicht die heimischen Sensenschmiede, sondern die ausländischen Kauf­leute, die die Preise der Sensen und Strohmesser ohnedies drücken, belasten würde. Or. Pap. im Wiener Hofkammerarchiv, n.-ö. Münz- und Bergwesen (1658—1672). 3 Das österreichische Landesfürstentum unterstützte sogar im 14. Jahr­hunderte die Nürnberger Kauffahrer in ihrem Handel nach Österreich und Ungarn. Herzog Leopold III. trägt (1383, Oktober 16, Nürnberg), seinem obersten Amtsmanne Reynhart von Wehingen direkt auf, an die ungarische Grenze zu reiten, um die dortigen Grundherren zu bewegen, die Bürger und Kaufleute von Nürnberg nicht mehr wie bisher bei ihren Fahrten auf den von Steier­mark nach Ungarn führenden Straßen mit ungewöhnlichen Mauten und Zöllen zu belästigen. Orig. Perg. im Münchener Reichsarchive. Nach dem Regeste des Habsburger Regestenapparates (1383—1385) am österreichischen Institute für Geschichtsforschung in Wien, dessen Einsichtnahme mir in liebenswürdiger Weise Herr Staalsarehivar Dr. Lothar frrnß in Wien gewährte Ai 1

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