Historische Blaetter 3. (1921-1922)

Edmund Friess: Der steirische Erzberg. Eine geschichtliche Skizze

den Floßöfen reines Roheisen gewonnen wurde, im Gegensätze zu dem Stuckofenprodukte, das in den Masseln schon Eisen und Stahl getrennt enthielt, war eine Anpassung des Hammerprozesses an das neue Ver­fahren notwendig geworden. Der Waldschwund um den Erzberg hatte mit der zunehmenden Erzausbeute, die durch den Übergang vom Tag­bau zum Tiefbau (Stollen) am Beginne des 16. Jahrhunderts 1 hervor­gerufen worden war, und bei der planlosen Abstockung des Holzes, die auf keine neue Aufzucht Bedacht nahm, rapid zugenommen. Er traf die Innerberger Radmeister noch härter als die Vordernberger, wie übrigens auch ein Blick auf die Landkarte zeigt. In den Gegenden aber, in denen die Hämmer pochten, breiteten sich meist noch weite Nadelwälder aus, die auch für die Holzkohlenversorgung der Radwerke herangezogen werden konnten. Die im 16. Jahrhunderte erstehenden Holzrechen zu Hieflau, Großreifling und in der Palfau, also auf Inner­berger Gebiete, dienten der Eisenerzer Holzbelieferung. Sie stellen den Ausbau der landesfürstlichen Waldwidmung für den Erzberg dar, an der auch die Hämmergebiete Anteil hatten. Hier hat das Landesfürsten­tum durch die Ausweitung seines Regales gewirkt. Es hat auch auf die Auflassung weiterer Hämmer sowie von Schmelzöfen (Radwerken) in Eisenerz und Umgebung gedrungen ’. So war dort schon am Ende des 16. Jahrhunderts nur ein Hammer, in Vordernberg vier Hämmer im Gange verblieben. Doch schied man aus bergverwaltungstechnischen Rücksichten sowie des Verlagssystems wegen stets strenge den Innerberger und den Vordernberger Hämmer- distrikt und behielt diese ganze Organisation trotz der oft unüberwind­lich scheinenden Schwierigkeiten auch dann noch bei, als durch die Länderteilung vom Jahre 1564 neben den Vordernberger Betrieben auch alle Radwerke des Innerberger Gebietes sowie die sogenannten land­steirischen Hämmer dieses Bezirkes innerhalb der Grenzgemarkung des neuen Innerösterreich zu liegen kamen *. Die Besitzer solcher Hämmer daselbst vollführte chemische Prozeß hieß das Herdfrischen. Auch die Eisen­streckhämmer und die Gerbstahlhämmer sind an Bau und Einrichtung der vor­genannten Hammertype identisch, nur von geringerer Größe als diese. Die beim Zerrennen abfallenden Schlacken wurden Schwälle genannt. Die aus den Flossen im Weichzerrennhammer gewonnenen Grobeisenstücke hießen Zagein. Ein Groß­teil derselben wurde dann im gleichen Hammer oder auch im Eisenstreckhammer zu Stangen-, Hacken-, Nagel-, Draht-, Flamm- und Streckeisen mechanisch aus­gehämmert. * Vgl. L. Bittner, a. a. 0., S. 481. 2 Ebenda und A. v. Pantz, Die Innerberger Hauptgewerkschaft 1625—1783. 3 Daß eine einmal eingelebte wirtschaftliche Organisation selbst an neuen politischen Grenzen keinen Halt machte, zeigt auch die Hammerschmiede­organisation im oberen Bheintale an der Wende des 15. zum 16. Jahrhunderte Hier blieb auch nach dem Baseler Frieden (1499) Laufenburg der Sitz der 105

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