Historische Blaetter 3. (1921-1922)

Edmund Friess: Der steirische Erzberg. Eine geschichtliche Skizze

waren vermutlich ursprünglich die Radmeister gewesen, aber sicherlich auch schon frühzeitig ein oder der andere Hammermeister selbst und oft­mals die Eisenhandelsleute von Steyr, Leoben, Bruck a. d. Mur, Waid­hofen a. d. Ybbs usw., die auch später noch in die Reihe der Radmeister sprangen, bis im Innerberger Reviere die Gründung der Hauptgewerk­schaft (1625) jedem Einzelbesitz und -betriebe ein Ende machte. Nur die Zerrennhämmer sowie die zur Kleineisenindustrie gezählten Ham­merwerke, wie etwa die Sensenhämmer, die Drahtzüge1 und der der Stadt Waidhofen a. d. Ybbs gehörige welsche Hammer in Höllenstein a. d. Ybbs, blieben von der Einverleibung ausgeschaltet. Verschont waren auch die wenigen glücklichen Besitzer von selbständigen Eisen­bergbauen im Innerberger Bezirke wie anderwärts, die trotz der zeit­weise vom Landesfürstentum verordneten Monopolisierung des Erz­berges und des kärntnerischen Hüttenberges (so 1492) keine Ein­stellung erfahren haben, da die verfügbaren Geldmittel hüben wie drüben noch gleichmäßiger verteilt und noch nicht kaufmännisch weit­sichtig erfaßt waren. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vermochten auch die Letzten aus dieser kleinen Schar dem immer mäch­tiger werdenden Erzberguntemehmen nicht mehr standzuhalten. Standen auch die Gewerken (die Rad- und Hammermeister) den Eisenhandelsleuten sozial nicht nach, wie ein Blick in die seit dem Trienter Konzil auftauchenden Pfarrmatrikenbücher lehrt, so schlug doch vorwiegend nur die letztere Gruppe, der Kaufmann, den größten wirtschaftlichen Gewinn aus den vielen kleinen Eisenindustrieunter­nehmungen. Die Stadt Steyr an der Enns hatte mit ihrer Stadtrechts­verleihung vom Jahre 1287 den Stapel für alles Innerberger Eisen er­halten. Der Landesfürst hatte damit ein wahrhaft fürstliches Geschenk der Steyrer Bürgerschaft ausgeliefert. Es legte den im Markte Aschbach bei Amstetten aufblühenden Handel lahm2 und verkürzte später die Innung, wie Eberhard Gothein in seiner Wirtschaftsgeschichte des Schwarz- waldes, I. Band, S. 653, nachgewiesen hat. Derartige Zustände änderten sich, als das Landesfürstentum in seinem Territorium eine intensive Handelspolitik zu ver­folgen begann. Nur der Import von nicht im Lande vorfindlichen und notwendigen Rohstoffen erfuhr eine Förderung. Die Einfuhr von Halb- und Ganzfabrikaten wird durch hohe Zölle erschwert und verringert. Ein hinlänglich bekanntes Beispiel liefert Österreich im 18. Jahrhunderte nach dem Verluste Schlesiens an Preußen: Im eigenen Lande werden nun die vormals aus Schlesien bezogenen Industriewaren zu erzeugen versucht. 1 Vgl. hiezu meine Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Eisenarbeiter in Waidhofen a, d. Ybbs, 2. Forts. Im 3. und 4. Jahresberichte des Musealvereines für Waidhofen a. d. Ybbs und Umgebung (Waidhofen a. d. Ybbs, 1913), besonders S. 29 ff. ’ Vgl. Oskar Frh. v. Mitis, Niederösterreichische Stadtrechte im 13. Jahr­hundert. Im Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich, N. F., 3. Jahrgang (Wien 1905), S. 231 ff.

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