Historische Blaetter 3. (1921-1922)
Edmund Friess: Der steirische Erzberg. Eine geschichtliche Skizze
Der steirische Erzberg Eine geschichtliche Skizze von Edmund Friess*) Die Geschichte der abendländischen Montanindustrie nimmt im Rahmen der Wirtschaftsgeschichte einen hervorragenden Platz ein. Sie birgt in ihrer Entwicklung die Verbindung der reichsten Formen von Agrar- und städtischer Wirtschaft. Bei ihr hat der Wellenschlag des menschlichen Unternehmungsgeistes besonders stark gebraust und ist auch vom Erfolg gekrönt worden. Denn gerade diese Industrie war zum Ausbaue ins Große geeignet, sie hat durch den Handel mit ihren Roh-, Halb- und Ganzfabrikaten zu einer frühkapitalistischen Geldwirtschaft geführt, die große Vermögen den Unternehmern in der Hand zurückließ *) Diese Arbeit ist gelegentlich des Referates über das Buch von Anton Ritter v. Pantz, Die Gewerken im Bannkreise des steirischen Erzberges (Jahrbuch der k. k. heraldischen Gesellschaft „Adler“, N. F. XXVII. und XXVIII. Bd„ Wien 1917/1918, 445 Seiten) entstanden. Leider ist mein diesbezüglicher Aufsatz in der „österreichischen Rundschau“ noch nicht erschienen. Neben diesem Buche habe ich auch die Arbeit Ludwig Bittners, Das Eisenwesen in Innerberg-Eisenerz bis zur Gründung der Innerberger Hauptgewerkschaft (im 89. Bde. des Archives für österr. Geschichte, Wien 1901), eingehend hier verwertet. Je länger ich mich mit der Geschichte des österr. Eisenwesens befasse, um so wertvoller ercheint mir Bittners Buch; es ist der Lohn für ein entsagungsvolles Forschen. Auch die von Anton v. Pantz geleistete Fortsetzung hiezu (Die Innerberger Hauptgewerkschaft 1625 bis 1783, erschienen in den Forschungen zur Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der Steiermark, 6. Bd., 2. Heft. Graz 1906) bot mir mannigfache Aufschlüsse. Doch habe ich auch aus meinem Material manches hineingearbeitet. Es drängte mich, ähnlich wie Karl A. Redlich eine montangeologische Studie über den Erzberg schuf (1916), eine historische Skizze über den gleichen Gegenstand auszuarbeiten, um einem danach vorhandenen Bedürfnisse zu entsprechen. Freilich, eine erschöpfende Studie wird nicht geboten. Dazu mangelt mir heute noch die Beherrschung mancher Fragen. Unausgebaut blieb die Arbeiterfrage, die ich einmal separat behandeln will. Ich will nur erwähnen, daß die Arbeiter am Berge, im Blahhause sowie in den Hämmern verhältnismäßig gut gestellt waren. Der Lohn, ursprünglich Stücklohn, dann Wochenlohn, der alle Monate ausbezahlt wurde, war im 16. Jahrhundert hoch, stieg im 17. Jahrhundert fast nicht an, nur verringerte sich die zwischen dem best- und geringstbesoldeten Arbeiter bestehende Lohnhöhe. Bezeichnend ist, daß es damals nie einen Aufruhr wegen der Lohnhöhe gab, wohl aber wegen Lohnrückstände. Das zu billigem, fest fixiertem Preise verabfolgte Getreide und Schmalz, die freie Wohnung und das Holzdeputat verhinderten auch in schweren Zeiten die Arbeiterausstände. Ferner ist auch das Eingreifen des Landesfürstentumes durch seine Organe hier nur gestreift, ebenso wie der Anteil, den die gewerkschaftlichen Beamten an dem Innerberger Eisenwesen genommen haben. Um aber die Arbeiterfrage hier richtig beurteilen zu können, muß ich mir vorerst über die Entwicklung des Vordernberger Eisenwesens vollauf im reinen sein. Diese Aufgabe werde ich zunächst zu lösen versuchen. Doch hoffe ich eine Vorstellung über das Eisenwesen am steirischen "Ervhprcr mit vrvrlipcrpnrlpr Skizy.p 7.11 iibprrnittplrL □7