Historische Blaetter 3. (1921-1922)
Edmund Friess: Der steirische Erzberg. Eine geschichtliche Skizze
und schwere Lohnkämpfe zwischen diesen und den Arbeitern zeitigen mußte. Schon im 16. Jahrhunderte hatte sie stellenweise eine Art Werkmeistersystem geschaffen, dem ein Arbeiterapparat von handwerksmäßig ausgebildeten und ungelernten Hilfskräften dienstbar war.1 Das Ausscheiden der Arbeiter aus dem Hause und vom Tische des Gewerken löste bereits das patriarchalisehe Band. Wenn in Ungarn die Silber- und Kupfergruben die Schätze des Landes mehrten, stand in Österreich seit dem Mittelalter der Bergbau auf Salz, Eisen und Quecksilber im Vordergründe. Der österreichische Territorialherr hat sein Hoheitsrecht auf diese Bergprodukte, solange deren Ausbeute noch geringe Bedeutung hatte, zwar ausgeübt, aber leichten und freigebigen Herzens an die Stützen seines Herzogtums die Schurfrechte aus seiner Hand gegeben oder doch mit Bergrohwaren seine Landesklöster beteilt, weil er auch noch nicht die ganze Tragweite des Regales erkennen konnte. Sohin ging der immer reichlicher träufelnde Bergsegen des Landes auf die Grundherren und auf die von ihnen abhängigen wagemutigen Unternehmer nieder. Während das österreichische Landesfürstentum als größter Naturalkapitalist im Lande den Wald des Holzes wegen sowie auch schon zur Mehrung seiner Einkünfte gleich anderen Grundherren im 12. und 13. Jahrhunderte bereits schätzen lernte und schließlich, als der Holz- mangel noch fühlbarer wurde, seit Maximilian I. aus diesem Grunde sein Forstregale stärker betonte, würdigte es erst einige Zeit später auch den Salzbergbau ob dessen reichen Erträgnisses und führte nach längerer Verpachtung der Salinen wieder den Regiebetrieb ein, aus dem dann das landesfürstliche beziehungsweise staatliche Monopol erwachsen und geblieben ist.2 Viel länger wurde von ihm der Wert des Eisens als Nutzmetall unterschätzt. Die Verwendbarkeit des Eisens war noch beschränkt. Waffen, besonders Schwerter, und Rüstungen für Mann und Roß samt Zubehör, wie z. B. die Sporen, wurden gleichwohl schon im 13. und 14. Jahrhundert in vielen österreichischen Städten erzeugt. Das urkundliche Auftauchen von Schlossern und Sensenschmieden daselbst fällt 1 Vgl. die anregende Arbeit von Jakob Strieder, Studien zur Geschichte kapitalistischer Organisationsformen, besonders I. Buch. München und Leipzig 1914. 2 Vgl. Heinrich von Srbik, Studien zur Geschichte des österreichischen Salzwesens. In den Forschungen zur inneren Geschichte Österreichs, hersg. von A. Dopsch, XII. Heft, Innsbruck 1917. Besonders S. 49, 57, 142 ff. und 154 ff. Ferner Adolf Zycha, Zur neuesten Literatur über die Wirtschafts- und Rechtsgeschichte der deutschen Salinen, in Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, XIV. Bd. (1916), S. 111 ff. und von demselben, Zur neuesten Literatur über Wirtschafts- und Rechtsgeschichte des deutschen Bergbaues, ebenda (1907), S. 238 bis 292 und í'1908'L S. 232—276.