Historische Blaetter 3. (1921-1922)
A. Hessel: Die Politik König Albrechts I. Innerdeutsche Probleme und das Verhältnis zu Frankreich und Italien
losgelöst und an ihn abgetreten würde, erklärte sich der Papst geneigt, auf Albrechts Wünsche einzugehen. Daß er von diesem und den Kurfürsten förmliche Verzichtsurkunden verlangte, bezeichnete er als ein großes Entgegenkommen; denn das Papsttum besäße, als Quelle aller kaiserlichen Rechte, von sich aus hinreichende Vollmachten. Welche Erfolge der in dieser Angelegenheit nach Deutschland gesandte Bischof von Ancona erzielte, verschweigt die zeitgenössische Überlieferung. Doch kann als sicher gelten, daß er unverrichteter Sache heimkehrte. Ja, das genaue zeitliche Zusammenfallen seiner Anwesenheit mit der nochmaligen Aussöhnung zwischen Albrecht und Wikbold von Köln macht es wahrscheinlich, daß letztere dem Wunsche entsprang, gegenüber den maßlosen Forderungen Roms eine geschlossene Front herzustellen. Der Aussöhnung war, wie wir wissen, nur kurze Dauer beschieden. Bald standen König und Kurfürsten wider einander unter Waffen. Jetzt durfte Bonifaz hoffen, den Zwiespalt für seine Zwecke ausnützen zu können. Vergeblich mühte sich Albrecht, durch Briefe und Boten den Gegner bei der Kurie ins Unrecht zu setzen. Der Papst ergriff offen für die Erzbischöfe Partei und forderte den Habsburger binnen sechs Monaten vor seinen Richterstuhl, um sich wegen der Rebellion gegen Adolf und anderer Vergehen zu verantworten. Aber der diesmal über die Alpen gehende Bischof von Nepi fand eine Situation vor, die er schwerlich erwartet hatte. Der Pfalzgraf bei Rhein war schon gedemütigt, die Einnahme der Festung Bingen nur eine Frage der Zeit. Es erfolgte eine Begegnung zwischen dem Bischof und Albrecht, die letzteren befriedigte. Bonifaz muß seinen Anspruch auf Toscana, wenigstens offiziell, fallen gelassen haben. Auch erlangte der König wohl einen Aufschub des Ladetermins. Denn erst im Frühjahr 1302 kamen die geforderten Bevollmächtigten an die Kurie. Sie überbrachten ein geschickt abgefaßtes Rechtfertigungsschreiben, das den Habsburger als den von Adolf böswillig Angegriffenen, seine Wahl als das Werk der Kurfürsten hinstellte. Die Verteidigung scheint gnädig aufgenommen worden zu sein. Daß der Papst dem Könige und den noch rebellierenden Erzbischöfen Waffenstillstand gebieten ließ, darf nicht als feindlicher Akt aufgefaßt werden. Es fällt außerordentlich schwer, auf Grund einer so lückenhaften Überlieferung den Verlauf der langwierigen Verhandlungen in ihren einzelnen Phasen einigermaßen klarzustellen. Die Zeitgenossen schenkten ihnen eben weit weniger Aufmerksamkeit als dem welthistorischen Drama, das sich damals zwischen der Kirche und der mächtigsten Monarchie des Abendlandes, zwischen Bonifaz und Philipp dem Schönen, entwickelte. Dieser Konflikt war es auch, der den Papst veranlaßte, seine Haltung