Historische Blaetter 3. (1921-1922)

A. Hessel: Die Politik König Albrechts I. Innerdeutsche Probleme und das Verhältnis zu Frankreich und Italien

außerhalb von Albrechts Gesichtskreis. Die Aufhebung der Verkehrs­zölle hatte ihm nur als Waffe gedient. Schon einige Verfügungen der nächsten Zeit ließen erkennen, daß er an. Freihaltung der Rheinstraße im Interesse der Städte nicht dachte. Auch sonst nahm er ihnen gegen­über eine Haltung ein, die sich von der seines Vaters nicht wesentlich unterschied. Wohl brachte er ihren wirtschaftlichen Bedürfnissen leb­hafteres Verständnis entgegen als jener, aber er förderte diese wohl nur, um die städtischen Abgaben möglichst ertragreich zu erhalten. Die großen Linien seiner Politik wurden davon nicht berührt '. * Seit den Tagen Heinrichs IV. hatte das deutsche Königtum keinen Kampf mit den Fürsten zu bestehen gehabt, ohne daß Rom handelnd ein­gegriffen hätte. Denn von jener Zeit her datiert recht eigentlich die For­derung des Sacerdotium, über das Imperium zu gebieten. Um die Wende des dreizehnten zum vierzehnten Jahrhundert erreichten die Machtansprüche der Kurie ihren Kulminationspunkt. Das Kaisertum, so erklärte man dort, sei ein Gnadengeschenk des Papstes, das Reichsgebiet unterstehe seinem Verfügungsrecht. Auch war der damalige Träger der Tiara, Bonifaz VHL, wie keiner erfüllt von dem Glauben an die päpstliche Allgewalt, und niemand unter seinen Vorgängern oder Nachfolgern brachte ihn mit ähn­lich ungezügelter Leidenschaft zum Ausdruck. Daher mußte es ihn aufs tiefste verletzen, daß die Anzeige, die nach Albrechts zweiter Wahl über die Alpen geschickt wurde, dem päpstlichen Anspruch auf Approbation mit keiner Silbe Rechnung trug. So empfing er die Abgesandten, obwohl er vorher den Sturz Adolfs nicht aufgehalten, vielleicht sogar begünstigt hatte, sehr ungnädig, bezeichnete die Wahl als nicht gültig, die Person des Gewählten, weil er gegen seinen Vorgänger rebelliert und ihn getötet hätte, als imgeeignet. Doch hinderte dieses Ver­dikt den neuen König nicht, da er mit den Kurfürsten zu Nürnberg Reichs­tag abhielt, selbst für Italien Regierungsmaßnahmen zu treffen. Des Papstes Groll steigerte sich bei der Nachricht von der deutsch­französischen Annäherung. Und als nun Albrecht seinen Bund mit Philipp dem Schönen dazu benutzen wollte, um die Kurie von ihrer feindlichen Haltung abzubringen, als im Frühjahr 1300 seine Boten zugleich mit französischen Bevollmächtigten vor Bonifaz erschienen, da fanden sie eine noch weniger gute Aufnahme als die Überbringer der Wahlanzeige. Nur falls, wie zwanzig Jahre früher die Romagna, so jetzt Toscana vom Reiche 1 Der Versuch Schultes, Albrecht zu einem großzügigen Wirtschaftspolitiker zu stempeln, ist schon von anderer Seite bekämpft worden.

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