Historische Blaetter 3. (1921-1922)
A. Hessel: Die Politik König Albrechts I. Innerdeutsche Probleme und das Verhältnis zu Frankreich und Italien
für si© Partei und verkündet© die Aufhebung der Verkehrt«©Ile, die er den Kurfürsten 1298 noch ausdrücklich bestätigt hatte. Was fast fünfzig Jahre früher der rheinische Bund gefordert, was man seitdem wieder und wieder angestrebt hatte, erhob ein Dekret des Königs vom 7. Mai 1301 zur Kampfparole. Von vornherein besaß Albrecht eine so erhebliche militärische Überlegenheit, daß die Gegner an Vereinigung ihrer Streitkräfte nicht denken konnten. Der erste Angriff richtete sich gegen den nächsten, den Pfalzgrafen. Schon Ende Juli bequemte er sich zum Frieden. Unter den Bedingungen waren die wichtigsten: Rückgabe des einst von Konradin den Wittelsbachern vermachten Staufergutes, ferner Annahme des Pfalzgrafen Ludwig als Mitregenten, der von nun an für eine Habsburg freundliche Politik seines Bruders Sorge trug. Die Kämpfe mit Erzbischof Gerhard konzentrierten sich um die starke Feste Bingen, begannen Mitte August und führten, dank der vortrefflichen Belagerungsartillerie Albrechts, Anfang Oktober zur Einnahme. Noch ehe dann im folgenden Jahre die Feindseligkeiten wieder eröffnet wurden, am 21. März, unterwarf sich der Mainzer. Indem er darein willigte, gefordertes Reichsgut auszuliefern, die Verkehrszölle abzuschaffen, Bingen und andere Festungen für eine Reihe von Jahren dem Könige zu überlassen, war seine militärische und wirtschaftliche Kraft gebrochen. Nun wendete sich Albrecht an den Unterrhein, wo seine Verbündeten dem Erzbischof Wikbold schon böse zugesetzt hatten. Die geplanten Kriegsoperationen verzögerte etwas der Versuch des Papstes, einen Waffenstillstand zu erwirken. Erst Anfang September setzte man sich gegen die Kurfürsten von Trier und Köln in Marsch, hatte sie aber nach wenigen Wochen bezwungen. Mit welchen Zugeständnissen Diether die königliche Gnade erkaufte, wissen wir nicht. Wikbold mußte am 24. Oktober ähnliche Opfer auf sich nehmen wie sein Mainzer Kollege, auf die Zölle verzichten, Reichsgut und eine Reihe wichtiger Burgen herausgeben. Auch wurde sein Gegner, der Graf von Jülich, in den dortigen Gegenden als Landvogt eingesetzt. Der Krieg war beendet. Er hatte mit der Machtstellung der rheinir sehen Kurfürsten so gründlich aufgeräumt, daß sie Albrecht nicht mehr gefährlich werden konnten. Ihrer lästigen Vormundschaft ledig, durfte er von nun an ganz nach eigenem Ermessen handeln. Da er seinen Sieg zum guten Teil der städtischen Hilfe verdankte, hätte man erwarten sollen, daß diese Waffenbrüderschaft sich zu einem dauernden Bündnis zwischen Königtum und Bürgerschaft auswachsen würde, wie es später unter Ludwig dem Bayern geschah. Solches aber lag offenbar