Historische Blaetter 3. (1921-1922)

A. Hessel: Die Politik König Albrechts I. Innerdeutsche Probleme und das Verhältnis zu Frankreich und Italien

Dieser Frontwechsel des Salzburgers bildete nur einen Teil der diplo­matischen Erfolge, die es Albrecht damals gestatteten, seine Verteidi­gungsstellung aufzugeben und zum Angriff gegen Adolf zu schreiten. Die Herrschaft des Grafen von Nassau gehört zu den traurigsten Kapiteln in der Geschichte des deutschen Königtums. Ihm war die Auf­gabe zugefallen, der Ausdehnungspolitik Philipps des Schönen ent­gegenzutreten, die schon seit einer Reihe von Jahren ebenso systema­tisch wie rücksichtslos an der Zerstückelung der nachbarlichen Grenze arbeitete. Der Ausbruch des englisch-französischen Krieges hätte ihm die beste Gelegenheit dazu geboten. Adolf wurde zwar Bundesgenosse Eduards I., übersandte dem Kapetinger ein stolzes Kriegsmanifest, ließ dann aber den Worten keine Taten folgen, benutzte vielmehr die eng­lischen Subsidien, um sich auf Kosten der Wettiner in Thüringen und Meißen eine Hausmacht zu gründen. Solch gröbliche Verletzung der königlichen Pflichten gegenüber der von Westen her drohenden Gefahr untergrub sein Ansehen im Reiche, mochte es auch den Zeitgenossen verborgen bleiben, daß er französischen Bestechungen erlegen war. Und ■wenn sein Mangel an Gefügigkeit allgemein den Unwillen der Kurfürsten erregen mußte, so verletzten seine mitteldeutschen Erwerbungen im be­sonderen die Rechte des Erzbischofs von Mainz und die Ansprüche des Böhmerkönigs. Vielleicht aber wäre die Katastrophe nicht so rasch über ihn herein­gebrochen, hätte jetzt nicht Albrecht, unter geschickter Ausnutzung der erwähnten Spannungen, die Annahme seiner Thronkandidatur bei denen durchgesetzt, die sie 1292 verweigert hatten. Die Quellen versagen uns einen tieferen Einblick in das diplomatische Spiel, berichten nur, wie er Anfang Juni 1297 in Prag mit Wenzel und Gerhard von Mainz, ferner mit seinem Schwager Albrecht von Sachsen und seinem Schwiegersohn Hermann von Brandenburg zusammentraf, wie schon im August Adolf über die Rebellion der Fürsten Klage führte, und wie gegen Jahres­ende am Oberrhein die Feindseligkeiten begannen. Hermann von Brandenburg zusammentraf, wie schon im August Adolf über die Rebellion der Fürsten Klage führte, und wie gegen Jahres­ende am Oberrhein die Feindseligkeiten begannen. Folgende Verabredung scheint man getroffen zu haben: Albrecht sollte mit ausreichender Truppenmacht nach Mainz kommen, zum Schutz der dorthin auf den 1. Mai 1298 einberufenen Fürstenversamm­lung. Adolfs Absetzung war beschlossene Sache. Im Februar weilte Andreas von Ungarn in Wien, dessen Freundschaft der Herzog schon früher mit der Hand seiner Tochter Agnes gewonnen hatte. Anfang März brach er auf, gefolgt von den Streitkräften aus Österreich und Steiermark, dazu einem böhmischen und einem ungarischen Kontingent. Otto von Niederbayern gestattete den Durchzug, bei Augsburg fand

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