Historische Blaetter 3. (1921-1922)

A. Hessel: Die Politik König Albrechts I. Innerdeutsche Probleme und das Verhältnis zu Frankreich und Italien

sich Heinrich von Kärnten ein. Als nun aber Adolf nahe Ulm den direkten Weg nach Frankfurt verlegte, bog Albrecht weit nach Süden aus, um, durch Zuzug aus den Vorderen Landen verstärkt, längs des Rheines vorzustoßen. Der König, der den Schwarzwald auf der kür­zeren Linie durchschritten hatte, vermochte zwar die Vereinigung des Gegners mit seinen elsässischen Anhängern nicht zu hindern, sperrte jedoch den Talausgang östlich des Kaiserstuhles bei Kenzingen. Ende April lagen sich hier beide Heere eine Zeitlang gegenüber. Jetzt bewies Albrecht sein strategisches Können. Vom Feinde sich loslösend, ge­langte er über den Rhein nach dem getreuen Straßburg und bewerk­stelligte von hier aus einige Wochen später seine Vereinigung mit den Kurfürsten, während Adolf, nach einem zwecklosen Einfall ins Oberelsaß, auf die Kunde, der Herzog sei imbekümmert nordwärts gezogen, ihm zu folgen versuchte, aber, von den Straßburgem aufgehalten, bis Breisach zurück mußte, von da auf dem rechten Rheinufer nach Speier eilte. Unter dem Schutz der herzoglichen Truppen tagten später als zuerst beabsichtigt war, am 23. Juni in Mainz die für Habsburg gewonne­nen Kurfürsten oder ihre Vertreter. Sie setzten Adolf ab und wählten Albrecht. Letzterer hatte, solange ihn der Vasalleneid band, eine Schlacht vermieden, jetzt, selbst auf den Thron erhoben, war er nach Anschauungen der Zeit berechtigt, die Entscheidung der Waffen anzurufen. In vor­trefflicher Stellung auf dem Hasenbühl bei Göllheim erwartete er am 2. Juli den Gegner. Es kam zu einem heftigen Reiterkampf, in dem Adolf den Tod fand imd ein großer Teil seiner Anhänger in Gefangen­schaft geriet. Mit einem Schlage war jeder Widerstand gebrochen. Nun leistete Albrecht auf die ihm übertragene Würde formell Ver­zicht, so daß Ende Juli zur Neubesetzung des erledigten deutschen Thrones geschritten werden konnte. Diesmal vereinigte der Habsburger alle Stimmen auf sich, auch die des Pfalzgrafen Rudolf, der bis zuletzt auf Seite des Gegners ausgeharrt hatte. Dem Vorbild des Vaters folgend, berief der neue Herrscher einen Reichstag nach Nürnberg. Es war eine stattliche Versammlung, bei der die Kurfürsten vollzählig erschienen. Und hier belehnte Albrecht, wie einst Rudolf ihn, seine Söhne mit Österreich und Steiermark. * Die Laufbahn des habsburgischen Territorialfürsten und Kron­prätendenten hatte ihren ruhmvollen Abschluß gefunden. Jetzt galt es, die eiTungene Machtstellung weiter auszubauen. Aber Albrecht hatte bei Göllheim nicht bloß für die eigene Sache, sondern zugleich als voll­ziehendes Organ der Kurfürsten gestritten. Sie gedachten, den von 379

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