Historische Blaetter 2. (1921)

Josef Karl Mayr: Das politische Testament Karls V.

Er rüstet unablässig und alsbald sammelt sich neues Kriegsvolk. Mit Furcht und Zittern begegnet Süddeutschland seinem Durchzug gegen Metz1. Das kriegerische Leben im Feldlager, die Rekognoszierungs­ritte kräftigen wenigstens zeitweise den kranken Leib in ungeahnter Weise. In bester Gesundheit kehrt der Kaiser im Februar 1553 nach Brüssel zurück2. Alte Herzenswünsche regen sich: der Sukzessionsplan wird wieder aufgegriffen3, Resignationsgedanken gehen nebenher \ Das sind die Grundgedanken des Testaments, das Karl eben damals zu Brüssel entworfen haben mag. Doch hielt sein körperliches Wohl­befinden — gute und schlechte Tage lösten sich unvermittelt ab5 — nicht lange an; neue Gichtanfälle stellten sich ein und lähmten während des Sommers seine Rechte völlig8. In einer Sänfte muß sich Karl im September ins Feldlager tragen lassen. Der Winter 1553/54 gestaltet sich besonders qualvoll. Die rechte Hand bleibt gelähmt — einen Brief an die Königin von England muß seine Schwester Maria für ihn schreiben 1. Der Sukzessionsplan wird suspendiert8. Seit dem Sommer 1553 besteht für die Abfassung des Testaments in der Tat keine Mög­lichkeit mehr. Über deren Details ist nichts bekannt. Vielleicht hat es Karl gleich den beiden Instruktionen von 15439 selbst zu Papier gebracht — eben an Philipp schreibt er ja eigenhändig —, vielleicht auch nur diktiert, wobei wohl Van Male, der ayuda de camara in seiner allernächsten Um­gebung 10, oder Karls vertraute Schwester Maria in Betracht kommen; jenem hat er seine Kommentarien, dieser besonders vertrauliche Schrift­stücke diktiert11. 1 Vgl. Egelhaaf 1. c. 2, 569 f., 575; Turba 1. c. 27, 32, 34, 40, 47, 60 f. 2 Vgl. Gachard 1. c. 29 f.; Mignet 1. c. 55; Túrija 1. c. 239, Anm. 1. 3 Vgl. Egelhaaf 1. c. 2, 577. 4 Vgl. S. 241. — Auch der hartnäckige Widerruf der Passauer Zugeständnisse vom März 1553 fügt sich vortrefflich in das Gesamtbild; er ist ein letztes Zeugnis vor Gott und der Welt, ein politisches Vermächtnis (vgl. Turba 1. c. 239 ff., 287 ff.). 5 Vgl. Mignet 1. c. 55, Turba 1. c. 239. 6 Noch Ende Juni 1553 war Karl imstande gewesen, an Philipp eigenhändig zu schreiben (vgl. S. 241). 7 Vgl. Gachard 1. c. 33 ff. 8 Vgl. S. 239; Turba l.c. 70 f., 257, 266 f., 275 f., 282. 9 Sie befinden sich heute in den Händen eines amerikanischen Sammlers (vgl. Morel-Fatio 1. c. 167, Anm. 1). — Laiglesias Edition der Instruktion vom 6. Mai scheint nur ein erster Entwurf zugrunde zu liegen (vgl. W. Richter 1. c. 12). 10 Ad focum, in lectione nocturna, wie er selbst schreibt. Van Male machte die Flucht aus Innsbruck und die Belagerung von Metz mit und befand sich wohl auch in Brüssel wieder um den Kaiser (vgl. Kervyn 1. c. XI, XXI; Reiffenberg, Lettres de G. Van Male XXII). — Seine Briefe dieser Zeit berichten nichts hierüber; doch sind sie überhaupt nur lückenhaft erhalten (vgl. Kervyn 1. c. XII). Die Details des Briefes vom 11. und 12. November 1552 beziehen sich, wie Morel-Fatio 1. c. 163 f. riachweist, lediglich auf Karls formulae precum quotidianarum. 11 Vgl. Kervyn 1. c. XII ff.

Next

/
Thumbnails
Contents