Historische Blaetter 2. (1921)
Josef Karl Mayr: Das politische Testament Karls V.
vermieden wissen willl. Es scheint, als ob auch hier wieder ein ursprünglicher Bestandteil sich erhalten hätte, um den sich später jüngere herumlegten. T 95/1 (gleich D 239, 31—240, 12 und I 172 f.), mit antiken Beispielen reich verziert, sollte wohl die Verbindung zwischen beiden hersteilen; es ist ihm deutlich anzumerken. Dem gleichen Gegenstände gilt auch der folgende Abschnitt8, der den einmal gefaßten Entschluß beibehalten und keine Festung unaus- gekundschaftet3 angegriffen sehen will. Beides ist durch Beispiele belegt, ersteres durch die Schlappe vor Landrecie (1543), letzteres durch die vor Marseille (1536). Aber nicht in allen drei Texten; denn in I finden sich an Stelle des Beispieles von Landrecie Ratschläge über Sieg und Niederlage, Truppenzahl und Truppengattung, die mit der Prämisse in keinerlei Zusammenhang stehen4, während das Beispiel von Marseille überhaupt fehlt. Es kann sich hier bezüglich des ersten Beispieles wohl nur um ein Surrogat hiefür5, demnach bezüglich des zweiten nur um eine Auslassung handeln®. Was darunter liegt, wäre also ein bodenständiges Textstück. Siena7 soll im Verein mit dem Herzog von Florenz" ehestens wiedergewonnen werden. Diese Textstelle ist zeitlich enge umgrenzt: sie muß nach Juli 1552 und vor April 1555 entstanden sein. Es ist kein Grund vorhanden, sie nicht für ursprünglich zu halten. Der Schlußteil9 dieser Erörterungen besteht offensichtlich aus mehreren, nicht gleichzeitig entstandenen Teilen. Der Rat, keine Gelegenheit zu versäumen, die Franzosen durch Vertrag oder Heirat aus Piemont zu entfernen, ist doppelt vertreten 10.Da sich an T 98/3 eine, wie ihr Inhalt verrät, w enig verläßliche Textgruppe anschließt11 wird man wohl T 99/3 1 T 94/3; D 239, 28—30; I 171 f. 2 T 95/3—97/1; D 240, 17—241, 34; I 173 f. 3 Die Details sind wohl jüngeren Datums. 4 D hält wie früher die Mitte und bringt beides. 5 Die Prämisse mußte des Zusammenhanges wegen stehenbleiben; sie verrät den Sachverhalt. 6 Dem Bearbeiter schienen wohl seine doktrinären Ratschläge — wir erinnern uns, welch breiten Raum derlei Erörterungen in den früheren Textpartien einnehmen — wichtiger als die beiden Beispiele der Praxis. 7 T 98/1 und 98/2; D 242, 10—16; I 176. 8 Dieses Detail fehlt in D. 9 T 98/3—99/3; D 242, 17—243, 7; I 176. 10 T 98/3 (gleich D 242, 17—27) und T 99/3. 11 T 99/1 und 99/2 ; D 242, 27—243, 7. — Sie rät, Frankreich unter allen Umständen ruhig zu erhalten, um — so meint T — während dieser Zeit dort zur Entlastung Italiens (I nennt es 176 il polso di tutt’ il vostro dominio; T 99/2 und D 243, 5 drücken sich ähnlich aus; vgl. E. W. Mayer 1. c. 120, 474, Anm. 2) Bürgerkriege zu erregen oder — so rät D — es dadurch langsam zu entnerven. Beide Ratschläge — den zweiten kennen wir bereits (vgl. S. 227) — sind wohl jüngeren Datums.