Historische Blaetter 2. (1921)

Josef Karl Mayr: Das politische Testament Karls V.

Philipps bloß unterstützt wissen will. Ohne Zweifel liegt in I eine jüngere Fassung vor. Die beiden letzten Absätze dieses Gegenstandes1 über die Verwendung' der Infanterie gegenüber den Janitscharen und die Anwendung der früher beschriebenen Feldbefestigungen (vgl. S. 229) — es liegt dort ein jüngerer Zusatz vor — sind wohl gleichfalls jüngeren Datums: Der Zusammenhang ist recht lose und antike Beispiele häufen sich. Von der Erörterung des Türkenkrieges geht der Text zum Kriege gegen Frankreich über1 2, einen ob der zentralen Lage des Landes und seiner mächtigen Verbündeten — besonders im mißgünstigen Italien — gewaltigen Gegner. In Italien falle ihm der Krieg infolge der feind­seligen Stimmung des Landes leicht; doch könne der Feind durch Unter­brechung seiner rückwärtigen Verbindungen unschwer aus Italien ver­jagt werden. Dieser ersten, wohl ursprünglichen Fassung3 gesellen sich in D und 14 5 jüngere Nachträge zu, die zum Teil bloß erklären, zum Teil auch inhalt­lich differieren. Zunächst sind — zur Erklärung, wie leicht den Franzosen der Krieg in Italien falle — mehrere Kriegsereignisse der letzten Jahre 3 aufgezählt, und zwar die Siege von Cerisola (April 1544) und Casale (März 1555), der türkische Seesieg vor Sizilien (Juli 1552) und der Abfall Sienas (Juli 1552 bis April 1555) 6. Der Krieg in Piemont soll — hierin liegt die Differenz — frontal geführt worden 7. Vom italienischen geht der Text zum französischen Kriegsschau­platz über. Ein erster Abschnitt8 unterscheidet zwischen einem über­raschenden Angriff auf das Landesinnere unter Zuhilfenahme der üblichen Feldbefestigungen und der Eroberung der Grenzfestungen. Die inhaltliche Ähnlichkeit mit früheren Einschüben (vgl. S. 228 f.) läßt auch hier ein Gleiches vermuten; auch antike Beispiele fehlen nicht. Der Abschnitt ist aber nicht einheitlich. Denn mitten im Punkt eins reißt der Gedankengang ab, indem er, sofern die Franzosen in Italien ein­fallen, jeglichen Angriff auf Frankreich — wozu also noch Punkt zwei? —­1 T 91/1—91/2; D 236, 4—237, 14; I 165—167. 2 T 92/1—99/3; D 237, 15—243, 7; I 167—176; vgl. E. W. Mayer 1. c. 120, 473, Anm. 1—3 und 474, Anm. 1. 3 T 92/1—93/1. * D 237, 27—238, 20; I 168—170. 5 D sagt die vergangenen Jahre, I da qualche anno. 6 Diese Zusätze dürften also um 1560 entstanden sein. 7 T repräsentiert die erste, I die zweite Auffassung. D hält die Mitte indem es der zweiten die erste folgen läßt. 8 T 93/2—95/2; D 238, 28—240, 17; I 170—173. öá

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