Historische Blaetter 2. (1921)

Josef Karl Mayr: Das politische Testament Karls V.

Ganz anders verhält es sich bezüglich der Parallelstellen von D und I. Ungarn sei, so führen sie ans, für die Türken wegen der Festung Wien, der Nachbarschaft Deutschlands, der Entlegenheit der Donau und wegen seiner Ebenen (!), wie I hinzufügt, ein ungünstiger Kriegsschauplatz; andere Nachbarn seien ihnen — die alte Liebe zu schematisieren lebt wieder auf (vgl. S. 223) — teils zu mächtig, teils zu entlegen, teils noch zu stark wie die Perser, wodurch sie in Anbetracht ihrer Überlegenheit zur See und des Zwistes unter der Christenheit auf die Staaten und Inseln Italiens 'hingewiesen würden. Daß diese Ausführungen — sie ent­halten wichtige Zeitangaben 1 — jüngeren Datums sind, wird sogleich deutlicher. Auch der nächste Abschnitt1 2 über die Arten des Türkenkrieges kann unmöglich bodenständig sein. Es genügt, auf das Wirrwarr von Defen­sive, Offensive, Präventive und Diversion hinzuweisen3. Nicht viel besser steht es mit T 89/1—90/2 (gleich D 235, 9—236, 4 und I 161—165), einer Textgruppe, die sich als eine Fortführung des eben erörterten guerra mista bezeichnet; der zweimalige Hinweis auf die be­kannten stratagemi (vgl. S. 231) läßt auch hier einen jüngeren Ein­schub vermuten. Jedoch nicht durchwegs. Denn ganz deutlich hebt sich axis dieser Umgebung ein mittleres Textstück'4 heraus von offensichtlich älterem Charakter. Wir werden darin in Analogie mit früher (vgl. S. 230) ein weiteres Stück alten Untergrundes erkennen dürfen: wieder ist wie dort die Eintracht mit den österreichischen Fürsten als unerläßliche Vor­bedingung bezeichnet; denn im Vereine mit dem Römischen Könige Ferdinand, seinem Onkel — designato dopo me imperatore, wie I 163 hinzufügt — könne Philipp in Ungarn unter Vermeidung der Ebenen und der Donau, der Hauptetappenstraße des Feindes,5 dem Türken gar wohl zuvorkommen. Es ist indes zxi beachten, wie sehr sich innerhalb dieses Abschnittes I, T und D voneinander unterscheiden: T und D und anfänglich auch I (162 f.) fassen Philipp als den Kriegführenden im Vereine mit Ferdinand auf, während I später (164 f.) das Umgekehrte voraussetzt und Ferdinand im ungarischen Türkenkriege von seiten 1 Kreta und Cypern sind in I 155 als il treno in bocca Venedigs, demnach als noch venezianisch aufgefaßt; da Cypern 1570 an die Türken verloren ging, muß die Stelle vor 1570 entstanden sein. 2 T 87/1—88/2; D 233, 22—235, 8; I 156—160. 3 Auch E. W. Mayer ist 1. c. 120, 484 die Behandlung des Türkenkrieges be­sonders schulmäßig erschienen. 1 T 89/2 und 89/3; D 235, 17—24; I 161—165. 5 Beachte, wie sehr diese Auffassung der früheren widerspricht.

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