Historische Blaetter 2. (1921)

Heinrich Glück: Kunst und Künstler an den Höfen des 16. bis 18. Jahrhunderts und die Bedeutung der Osmanen für die europäische Kunst

im militärischen Sinne1, bestimmte wohl auch noch die Tier­sammlungen der Osmanen. Soweit aber vor allem die orientalischen Großtiere von ihnen an europäische Höfe als Geschenk gingen21, konnten sie die Empfänger nur als exotische Seltenheiten betrachten, und damit werden die Tiergärten bereits an den Renaissancehöfen zu Luxuseinführungen, die Tiere selbst zu Geschenkartikeln, um schließlich im 17. und 18. Jahrhundert als modische Schauobjekte zu dienen und erst mit der Ausbildung der Naturwissenschaften einen neuen idealen Zweckwert zu erlangen. Ähnlich mag schließlich innerhalb der Gartenarchitektur das Auf­kommen der Terrassengärten in der Hochrenaissance viel eher dem Einwirken der lebendigen orientalischen Gartenkunst — und da boten gerade Konstantinopel und die Palastvorstädte am Bosporus das natürliche Terrain — als den literarischen „Wiederbelebungen“ der Antike zu danken sein. Aber auch sonst zeigen sich in den großen Gesamtanlagen, in denen Architektur und Umgebung zu einer großen Einheit zusammengefaßt werden, merkwürdige Parallelen. Wo sonst hätte sich den auf großzügige Gestaltung des Äußern ausgehenden Renaissanceideen reichere lebendige Nahrung bieten können als gerade in Konstantinopel, wo in einigen wenigen Menschenaltern ein Stadt­bild erstand, bei dessen Schaffung eine unumschränkte Herrscher­macht nicht mit der Kleinlichkeit gerade der italienischen Verhältnisse zu rechnen hatte, an denen große Geister wie Michelangelo erlahmten, wo jeder der die Hügel krönenden Moscheenkomplexe eine Stadt­anlage für sich bedeutet und die natürlichen Unebenheiten d)urch riesige Substruktionen und Terrassenanlagen bezwungen wurden. Es kann hier nur auf einiges ganz allgemein verwiesen werden. Als ein Beispiel höchst merkwürdiger Übereinstimmungen erwähne ich wieder eine Anlage des bereits wegen seiner türkischen Beziehungen erwähn­ten Lorenzo Magnifico, die Villa in Poggio a Cajano, die bereite mehrfach wegen ihrer merkwürdigen Neuerungen Behandlung fand3. Schon die allgemeine von einem strengen Mauerviereck umgebene An­lage auf dem Plateau eines Hügels (Abb. bei Gothein, S. 228) gewährt eine Übereinstimmung mit so vielen osmanischen Anlagen, die noch durch Besonderheiten verstärkt wird. Die scharfe Trennung eines vorderen Repräsentationshofes, dem ein langgestreckter, von pvlonen­1 Siehe z. B. die Jagdtierbestellungen für den Sultanshof, in Deutsche Über­setzungen türkischer Urkunden, Heft 5, Nr. 81, 82. * Burckhardt, Kultur der Renaissance, S. 5. 3 B. Patzak, Palast und Villa in Toscana, Leipzig 1913; L. Gothein, a. a. 0., I) S. 228 ff.

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