Historische Blaetter 1. (1921)
Arnold Winkler: Die Korrespondenz des Erzherzogs Johann mit der Staatskanzlei über die Schweizer Sonderbundsfrage
Die Korrespondenz des Erzherzogs Johann mit der Staatskanzlei über die Schweizer Sonderbundsfrage von Arnold Winkler Von den Ansichten des Erzherzogs Johann über die Schweizer Sonderbundsfrage war bisher nicht mehr bekannt, als was der einstige Luzerner Staatsschreiber Bernhard Meyer im 1. Bande seiner »Erlebnisse« zitierte und Anton Schlossar in der Veröffentlichung von Briefen des Erzherzogs an Prokesch mitteilte1. Beides ist nicht gerade viel. Und doch kann eine Untersuchung des Anteiles, den Österreich an den Geschicken der Schweiz zur kritischen Sonderbundszeit nahm, nicht gut an einer vollständigen Beantwortung der Frage vorbeikommen, wie sich der volkstümliche Erzherzog damals zu den schweizerischen Dingen stellte. Nur muß dabei allerdings die Meinung ausgeschaltet bleiben, daß außer dem Kaiser Ferdinand und dem der Staatskonferenz Vorsitzenden Erzherzog Ludwig irgendein Mitglied des habsburgischen Hauses bestimmenden Einfluß auf die äußere oder innere Politik hatte. Das war nicht entfernt der Fall. Fürst Metternich und Graf Kolowrat, die ihre Ressorts eifersüchtig wahrten, durften das nicht dulden. Ander seits aber verfügte gerade Erzherzog Johann über die volle Kenntnis der Schweizer Verhältnisse und die notwendige militärische Erfahrung. Wichtige Erlebnisse verknüpften ihn mit der schweizerischen Geschichte: die durch ihn geleitete Befreiung Basels von der Festung Hüningen und die in seiner Anwesenheit zu Zürich erfolgte feierliche Ausfertigung des Bundesvertrags der Eidgenossenschaft, zwei Ereignisse des Jahres 18152. Zwar hatte der Erzherzog den Schweizer Boden nicht mehr betreten, seit die Eidgenossenschaft neu konstituiert worden, aber sein Interesse blieb wach, namentlich da nun jener Bundesvertrag in steigendem Maße Widerstand im Lande antraf und zu einer ungeheuren Verlegenheit für die europäischen Mächte wurde. Erzherzog Johann unterhielt naturgemäß keinen Verkehr mit Schweizer Politikern eines der beiden feindlichen Lager, 66 1 Bernhard R. v. Meyer, Erlebnisse, Wien u. Pest 1875, 2 Bde. — Schlossar, Erzherzog Johann von Österreich über Griechenland. Ungedr. Briefe an A. v. Prokesch, Deutsche Revue (Fleischer), XXII. 3 (1897), S. 77-86 (2. Teil). 8 Darüber zusammenfassend Joh. Dierauer, Geschichte d. Schweiz. Eidgenossenschaft, 5. Bd„ S. 381 u. 389.