Historische Blaetter 1. (1921)

Otto Cartellieri: Der Pas de la Dame Sauvaige am Hofe Herzog Karls des Kühnen von Burgund

Der Pas de la Dame Sauvaige am Hofe Herzog Karls des Kühnen von Burgund von Otto Cartellieri Am andern Tag, als kaum der Morgen graute, Erscholl aus den Quartieren schon das laute Geklirr der Panzer und Gestampf der Rosse. Auf Hengsten und auf Zeltern zog zum Schlosse Die edle Ritterschaft in großer Zahl. Da könnt ihr sehen, wie von Gold und Stahl Die Rüstungen erglänzen, wie geschickt Sie Kunst geformt, verziert hat und bestickt. Den Schimmer seht von Schilden, Satteln, Decken, Von goldenen Helmen, Panzern, Wappenröcken, Die Kleiderpracht der Fürsten auf den Rossen, Die Junker und die Ritterschaftgenossen, Die ihre Helme schnallen, Gurte schnüren, Die Speere nageln und den Schild polieren Und emsig sich mit ihrem Werk beeilen. Seht Waffenschmiede bohren, hämmern, feilen, Seht, wie die Hengste unter goldnen Zäumen Vor Ungeduld in die Gebisse schäumen! Bürger und Bauern seht in hellen Haufen Mit ihren Stöcken durcheinander laufen. Seht Pauken, Hörner, Zinken und auch Flöten, Der grausen Schlachten Blutsignaltrompeten. Wer diese lebendig bewegten Verse in Chaucers Canterbury Tales 1 liest, könnte glauben, an den burgundischen Hof versetzt zu sein und als Zeuge den Vorbereitungen eines Ritterspieles beizuwohnen. Meister­haft hat es der Dichter verstanden, die aufgeregte Stimmung wiederzu­geben, die bei dem Nahen der Kampftage die Ritter und Knappen, ja die ganze Bevölkerung ergriff. Die Verse bieten eine prächtige Ergänzung zu den anschaulichen, mit fachmännischer Kritik geschriebenen Berichten des Memoirenschreibers Olivier de La Marche, der gar nicht genug 47 1 Vers 2491 ff. (The Knyghles Tale.)

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