Historische Blaetter 1. (1921)
August Fournier †: Die europäische Politik von 1812 bis zum ersten Pariser Frieden
die Basis der Verhandlungen dahin ändern, so hätte er nur drei Wege vor sich: Kämpfen und siegen, kämpfen und ruhmvoll sterben oder abdanken1. Als hier sein Minister in den kolonialen Rückerstattungen Englands nicht die »großen Opfer«, von denen in Frankreich die Rede gewesen war, erkennen wollte und nebenbei noch die Frage nach dem Schicksal Sachsens aufwarf, wandten sich, gleich Rußland, auch England und Preußen von dem Gedanken eines Friedens mit Napoleon ab, namentlich da es Blüchern gelang, in einer Schlacht bei Laon (9. März) die Scharte vom Februar wieder auszuwetzen. Metternich durfte, wollte er die Fühlung mit Hardenberg und Castlereagh nicht verlieren, nicht weiter dabei beharren und gab, angesichts der Hartnäckigkeit des Gegners, auch seinerseits Napoleon auf. Am 19. März ging die Konferenz von Chätillon resultatlos auseinander, und am Tage darauf empfingen die verbündeten Minister in Bar-sur-Aube einen Sendboten des Bourbons Ludwig, des Bruders Ludwigs XVI., und sicherten ihm je nach dem Maß des Anhangs, den die alte Dynastie beim französischen Volk finden würde, ihre Unterstützung zu. Das war, was Napoleon am meisten zu fürchten hatte. Nachdem er dann im Felde einen falschen Zug getan hatte, zogen die Verbündeten am 31. März in Paris ein, wo sie die nach Frieden dürstende Bevölkerung wie Befreier begrüßte. Eine von Talleyrand und Pozzo di Borgo vorbereitete und im Namen der verbündeten Monarchen von Alexander veröffentlichte Erklärung besagte, daß man mit Napoleon nicht weiter verhandeln, Frankreichs Integrität in seinen alten Grenzen aber garantieren und diese noch erweitern wolle, weil man ein großes und starkes Frankreich für eine europäische Notwendigkeit halte. Desgleichen werde man die Verfassung, die sich das Land geben werde, gewährleisten. Der Senat möge eine provisorische Regierung einsetzen, die die Verfassung entwerfen und die Regierung übernehmen möge. Nachdem der Senat den Kaiser ab- und eine provisorische Regierung eingesetzt hatte, dankte Napoleon ab — nun auch von seinen Marschällen gedrängt — und ließ sich in einem Vertrag zu Fontainebleau von den Siegern mit der Souveränität über die Insel Elba abfertigen2. Außer ihr erhielt er eine Jahresrente von einer Million Franks — eine zweite war für die Kaiserin bestimmt — zugesagt 1 Pasquier, Mémoires, 11. 140. 1 Daß er werde abdanken müssen, wenn es ihm nicht gelang, die natürlichen (revolutionären) Grenzen für Frankreich zu erkämpfen, hatte er seit Wochen vorausgesehen, da, wie er sagte, innerhalb der alten Grenzen die angestammte Dynastie das größere politische Gewicht besaß. Er hatte für sich an Kurland gedacht und es durch Caulaincourt von Alexander begehrt, der es verweigerte. S. Louise Radzi- will, 45 années, p. 375. Die von Gentz verzeichnete falsche Nachricht, der Zar habe ihm einen Zufluchtsort in seinen Staaten angeboten, erklärt sich so durch ihr Gegenteil.