Historische Blaetter 1. (1921)

August Fournier †: Die europäische Politik von 1812 bis zum ersten Pariser Frieden

und durfte den Kaisertitel behalten, den ihm nur die Engländer, die den Vertrag nicht Unterzeichneten, verweigerten. Seine Gattin Marie-Luise sollte Herzogin von Parma werden, welches Land nach ihrem Tode auf ihren Sohn, der nun »Prinz von Parma* heißen wird, überzugehen hätte. Seine Verwandten sowie die Kaiserin Josephine werden mit jährlichen Geldbezügen bedacht. Nach Elba kann er eine Garde von 400 Mann mit sich nehmen. Auffällig ist in dem Instrument die mit dem übrigen Inhalt kaum verbundene Bestimmung, daß die polnischen Truppen im Dienste Frankreichs mit ihren Waffen nach Hause zurückkehren können. Sie zeigt die Herkunft des Vertrags aus der Kanzlei Kaiser Alexanders, der den Polen die Herstellung ihres Vaterlandes versicherte und über­haupt in Paris sofort die erste Rolle zu spielen übernommen hatte. Hardenberg und Metternich, der mit seinem Monarchen durch die Kriegs­ereignisse in Dijon zurückgehalten worden war, haben ihm hinterdrein Vor­würfewegen des Abkommens mitNapoleon und namentlich wegen der großen Nähe gemacht, in der er den gefährlichen Mann residieren ließ. Er erwiderte mit dem Hinweis auf das Christentum, das den Feinden zu vergeben gebiete1. Der Bourbon hatte sich bereit erklärt, die von Napoleon abgelehnte Friedensbasis anzunehmen, und der Senat setzte ihn in die Regierung ein, wie er den Kaiser abgesetzt hatte, ohne allerdings auf das Erbrecht der alten Dynastie sich zu berufen, sondern nur mit Hinweis auf den Willen des Volkes, auf dessen Geltung hin er Frankreich auch eine konstitutionell-monarchische Verfassung gab, die dann allerdings nicht volle Billigung fand. In Ludwigs XVIII. Namen war sein jüngerer Bru­der, der Graf von Artois, nach Frankreich gegangen, dort vom Senat als des Königs Generalstatthalter anerkannt worden. Die Verbündeten, außer den vier Großmächten noch Schweden und Spanien, schlossen mit seinem Bevollmächtigten Talleyrand, dem Präsidenten der proviso­rischen Regierung, am 23. April einen Waffenstillstand, demzufolge die Alliierten ihre Truppen hinter die französischen Grenzen von 1792 zu­rückziehen, die Franzosen die außerhalb gelegene Plätze räumen sollten. Man hatte Napoleon, der auf das Militär — die Generale ausgenommen — noch immer eine Anziehungskraft üben konnte, von Fontainebleau ab- reisen lassen, bevor man dieses Dokument Unterzeichnete. Denn es waren nicht weniger als über fünfzig Garnisonen im Rheinland, in Ita­lien, Piemont und am Mittelländischen Meer, darunter Mainz, Antwerpen und Alessandria, die Napoleon besonders hoch eingeschätzt und überaus reich ausgestattet hatte2, die von den Franzosen mit Sack und Pack 131 1 Fournier, Napoleon I., 111. 290. * Ebenda, III. 275.

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