Historische Blaetter 1. (1921)

August Fournier †: Die europäische Politik von 1812 bis zum ersten Pariser Frieden

war1. Aber auch England konnte Metternich nicht zu einem Friedensvertrag mit Murat, sondern nur zu einem Waffenstillstand am 3. Februar 1814 bewegen. Von einer Garantie des neapolitanischen Staatsgebietes war vollends nicht die Rede und ebensowenig von einem Verzicht der alten Königsfamilie darauf. Eine Sendung der neapolitanischen Minister Herzog von Campochiaro und Fürst Cariati ins Hauptquartier nach Chaumont Anfang März, um die andern Alliierten zu Verträgen zu bestimmen, war ohne Erfolg. Ein Abl^pmmen mit Preußen blieb Entwurf, und auch Ruß­land zog sich zunyck. Die Sendlinge erreichten nur, daß auch die Garantie der farnesischen Güter und der Allode Murats nachträglich in den Vertrag vom 11. Jänner aufgenommen wurde. Rußland zog sich zurück und Murat blieb infolge des Verhaltens des Zaren und der britischen Regierung ratlos stehen2. Metternich mußte voraussehen, daß Österreich die Unterstützung, die es in Italien durch Murat erlangte, mit einer nicht geringen Verlegenheit bezahlen würde, wenn es einmal zu endgiltigen Beschlüssen kam3. Eine andere Frage von europäischer Bedeutung war die des künftigen Territorialbesitzes der dänischen Krone. Preußens Absichten auf das bisher schwedische Vorpommern hingen damit zusammen. Friedrich VI., der Dänenkönig, war, wie der König von Sachsen, an Napoleon ge­fesselt geblieben, nachdem er noch kurz vor der Leipziger Schlacht einen Bündnisvertrag mit ihm geschlossen hatte. Er war dazu genötigt gewesen, weil Alexander I. und England Bernadotte, dem Thronfolger von Schweden, für dessen Beteiligung am Kriege wider Napoleon das dänische Norwegen versprochen hatten, das Friedrich nicht kampflos preisgeben wollte. Nach der Entscheidung in Sachsen wäre er allerdings gerne bereit gewesen, ein wertvolles Stück davon — die Diözese Dront- heim — abzutreten und sich damit den Anschluß an die Koalition zu erkaufen; durch Österreichs Vermittlung, das Bernadotte Norwegen nicht garantiert hatte, war auch im Dezember in Kopenhagen ein Präliminar­vertrag solchen Inhalts zustande gekommen; Bernadotte aber war darauf nicht eingegangen, beharrte nach wie vor auf seiner Forderung von ganz Norwegen und rief Rußland als Garanten an, das Österreich bestimmte, seine Intervention rückgängig zu machen. Worauf Bernadotte von den Dänen nicht abließ, bis deren Herrscher in einem Frieden zu Kiel (14. Jänner 1814) wirklich das ganze Land hergab und dafür zur Ent­125 1 Klinkowström, S. 521 (mit unrichtigem Datum) u. 172; Metternich, Nach­gelassene Papiere, II. 473. 1 Münster an den Prinzregenten, 8. März 1814. (Archiv Hannover.) s Der Entwurf des Akzessionsvertrags mit Preußen auf dem Wiener Staats­archiv.

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