Historische Blaetter 1. (1921)

August Fournier †: Die europäische Politik von 1812 bis zum ersten Pariser Frieden

Schädigung Schwedisch-Pommern und die Insel Rügen entgegennahm1. Das war aber ein sehr unsicherer Ersatz, da seit jeher das Verlangen Preußens nach diesen Gebieten stand, dessen Regierung jetzt frei er­klärte, sie nicht in dänischen Händen lassen, sondern durch Kauf und Tausch an sich bringen zu wollen, wie es später auch geschehen ist. Bernadotte hatte bisher seinen Kampf gegen die Dänen, bei dem ihn russische Hilfstruppen unterstützten, als Vorwand benützt, um sich von dem Winterfeldzug der Alliierten fernzuhalten. Nach dem Kieler^Frieden hätte ihm dieser Vorwand gefehlt, wenn sich die Norweger nicht gegen den Vertrag, der sie der verhaßten Schwedenherrschaft unterwarf, aufgelehnt und ihren Willen kundgetan hätten, sich mit den Waffen zu wehren. Das kam dem schwedischen Thronfolger nur erwünscht, denn er konnte nun auch weiterhin die Dänen bedrohen und es unterlassen, gegen Frankreich zu kämpfen2. Daß Bernadotte so hartnäckig sich vom Winterfeldzug in Frankreich fernhielt, hatte aber auch noch einen andern Grund. Als Alexander sich der Metternichschen Politik entzog und wieder bestimmter den Sturz Napoleons ins Auge faßte, wurde es von wesentlicher Bedeutung, daß er für diesen Fall dem Kronprinzen von Schweden auch auf Frankreich Hoffnung machte, was die Folge hatte, daß Bernadotte sich jetzt die lockende Aussicht nicht durch Teilnahme an der Bekriegung der Fran­zosen trüben wollte. Außerdem erfuhr man in diesen jännertagen auch, daß Alexander, wenn Bernadotte in Frankreich der Nachfolger Napoleons würde, den Sohn des 1809 vertriebenen Gustav IV. Wasa auf den schwedischen Thron bringen wollte, was ihm in Stockholm einen dank­baren Nachbar neben einem ergebenen Alliierten in Paris schüfe. All das barg für Mitteleuropa die Gefahr eines neuen Zweibundes, wie er vor wenigen Jahren noch bestanden hatte. Und als überdies auch Nach­richten einliefen, der russische General Herzog von Württemberg habe in Danzig die polnischen Soldaten für die Herrschaft Alexanders zu be­geistern gesucht und es werde durch Czartoryskis Vermittlung in Krakau ein Petitionssturm der Polen an ihn vorbereitet, wo man bereits ganz offen von einer Teilung Galiziens spreche: da hatten begreiflicherweise weder Metternich noch Schwarzenberg Lust, für diese Projekte, die Rußland eine Klientel dankschuldiger Helfer und das gefürchtete Über­gewicht verschafften, Österreichs Truppen ins Feuer zu schicken. Als diese am 18. Jänner das nächstgesteckte strategische Ziel, das Plateau von Langres, erreicht hatten, waren denn auch der Minister und der 1 Siehe meinen »Kongrefi von Chätillon« S. 44. * Gentz nach Bukarest, 3. März 1814. (Ungedruckt).

Next

/
Thumbnails
Contents