Historische Blaetter 1. (1921)

August Fournier †: Die europäische Politik von 1812 bis zum ersten Pariser Frieden

mit Österreich vereinigte Gewicht dieser Mächte zum Nachgeben zu be­stimmen suchte. Nicht daß Rußland nichts von Warschau erhalten sollte. Den größten Teil davon sollte es erhalten. Nur sollte Preußens Anteil entsprechend und seine Ostgrenze sichernd ausfallen und Österreich einiges von den früher besessenen Territorien zu dem gleichen Zweck — die Kreise Krakau und Zamosc — zurückbekommen. Hardenberg^; ließ sich nicht allzuschwer von Metternich einnehmen. Einmal weil er selbst dessen Befürchtungen vor Rußlands Übergewicht teilte, polnisches Gebiet für Preußen hoch einschätzte, und namentlich, weil der Minister Österreichs in der sächsischen Frage, in der Hardenberg sich in Frank­furt und Freiburg ihm eröffnet hatte, zu einem Zugeständnis bereit war. Am 8. Jänner teilte er dem Kanzler — aus eigenem Antrieb — mit, daß sein Hof dem Anfall Sachsens an Preußen zustimme. So schwer dies Metternich ankam — war doch Erzherzogin Therese, Kaiser Franzens älteste Schwester, an den Thronfolger in Sachsen, den Prinzen Anton verheiratet — so schien es doch kein andres Mittel zu geben, um Friedrich Wilhelm, der nach den Erfolgen des letzten Jahres noch enger seinem Freunde Alexander anhing, allenfalls zu einem Widerspruch in der polnischen Sache zu bestimmen, den er wahrscheinlich schon jetzt für sein mündlich abgegebenes Zugeständnis in der sächsischen begehrt haben wird1. Ob Metternich damit Erfolg hatte? Der Brief, mit dem Hardenberg dem Zaren von seinem entgegenkommenden Schritt sofort Kenntnis gab, worin die Notwendigkeit betont war, für die Friedens­verhandlungen vereinigt zu bleiben, spricht nicht eben dafür. Vorläufig aber hatte er für Preußen den Erfolg, daß der Zar in Basel, wahrschein­lich am 16. Jänner, dem Kanzler versprach, sein König solle neben Danzig auch noch Thorn und von Warschau Land bis zur Warthe er­halten, ein Versprechen, das später allerdings nicht gehalten wurde2. E^ war jetzt wohl nur in der Absicht gegeben worden, die Werbung Metternichs zu durchkreuzen, obgleich dieser mit polnischem Gebiet 1 Hardenbergs Tagebuch vom 8. Jänner 1814: »Metternich dina chez moi. II accede au plan touchant la Saxe.« Hardenberg an Alexander I., Freiburg, 9. Jänner: »Metter­nich m’a Ionguement entretenu sur les arrangements futurs de l’Autriche et de la Prusse. II m’a témoigné de son propre chef l’assentiment de sa cour relativement ä l’aquisition de la Saxe et m’a prié d’entrer avec lui dans la discussion des détails des arrangements susmentionnés et de ceux de la Pologne.« Der letzte Satz begründet die Vermutung, daß es schon hier zu einem Versuch gekommen sein wird, Preußen zu einer bindenden Zusage in der polnischen Angelegenheit, d. i. zu einer allfälligen Stellungnahme gegen Rußland, zu bewegen. (Martens, Recueil des traités conclus par la Russie, VII. 156.) 2 S. die vorhergehende Anmerkung und Hardenbergs Tagebuch zum 9. Jänner: er habe in seinem Brief an den Zar die Notwendigkeit betont »de rester unis pour les négociations«, wovon bei Martens a. a. O. nichts zu finden ist.

Next

/
Thumbnails
Contents