Hidrológiai Közlöny 1963 (43. évfolyam)

4. szám - Aufsätze des Wissenschaftlichen Komitees für die Fertő-See (Neusiedlersee) Forschung

354 Hidrológiai Közlöny 1963. 4. sz. Aufsatze für die Fertő—See Fortchung <Ier nördlichen und sikllichen Küsten sind unterpliozáne Sedimente auf der Oberfláche, welche durch die sie iiberlagernde oberpliozáne-unterpleistozáne Schotter­decke vor der Denudation beschützt worden sind. Ahnliche unterpliozáne Sedimente bilden auch den Boden des Fertő-Sees. Gegen Osten vöm Fertő sind weitarbeitete jungspleistozáne schotterige Sedimente auf der Oberfláche. In der Ausbildung des Beekens des Neusiedlersees habén auch Brechungen eine Rolle gespielt, welche hauptsáchlich in Neogen (Tortonien und Unterpannon) stattgefunden habén. Gegen Westen vom Fertő und auf dem dem nördlichen Teil des Seebeckens an­scliliessenden Gebiet sind auch die mittelmiozanen (tortonisehen) Sedimente vorhanden, aber auf dem südliehen Teil des Seebeckens und auf dem ihm gegen Osten anschliessenden Gebiet, nach den Angaben einiger Tiefbohrungen, lagern sieh pannonische Ablagerungen unmittelbar auf dem palaozoischen Untergrund auf. Geophysikalische Forsclmngen und Tiefbohrun­gen habén auch in die Tiefe hinabgesunkene, aus kris­tallinen Schiefern besteliende Züge nachgewiesen (No. 1. und 2. Tiefbohrungen von Mihályi). Als Ergebnisse der postvulkanischen Tatigkeit, welche dem mit der alpinen Orogenese verbundenen finálén Basalt magma ­tismus nachfolgte, sind auch Co 2-Aufbrechen, bzw. Sauerwasserquellen auf mehreren Stellen zu bemerken. In der endgültigen Ausbildung der Fertő-Hanság Depression hat die Deflation im Oberpliozán und im Pleistozán eine wichtige Rolle gespielt. Die Ausdehnung des Seebeckens war am Ende des Pleistozáns, haupt­sáchlich gegen Osten, viel grösser, als in unseren Tagén. Die limnologischen Figentiinilichkeiten des Neusiedlersees L. Varga (Sopron) Der Neusiedlersee stellt einen der interessantesten stehenden Gewásser der Erde dar. Seine hydrographi­schen, physikalischen, chemischen und daraus folgend seine limnologineken Verhílltnisse sind sehr charakteris­tiseh, mit wenigen Seen der Erde vergleichbar. Er ist ein echter Steppensee mit einer Oberfláche von 337 km 2. Seine Lange betragt 35 km, grösste Breite etwa 15 km, kürzeste Breite um 7 km. Er liegt in der westüchsten und tiefsten Stelle der Kleinen Ungari­schen Tiefebene und gilt als abflussloser See. Eine Beriihmtheit des Neusiedlersees ist seine grosse Seichtheit. Mittlere Tiefe betragt etwa 60—70 ein (beim höheren Wasserstand), grösste Tiefe um 160 cm. Die Gesamtmenge seines Wassers erreicht etwa 250—300 Millionen m 3. Absolute Höhe des Wasserspie­gels ist um 114 m. Die Niederschláge, Zuflüsse und die unterirdischen Gewásser aus den nördlichen und nordöstlichen Schot­terlagen sind bei normalen klimatischen Verhaltnissen genügend, um die jahrliche Verdungstung von 1500 mm/m 2 Wasser zu ersetzen. Der Wasserstand des Sees ist stándigen Veránde­rungen unterworfen. Es können sákulare, siebenjahrige und jahreszeitliche "Schwankungen beobachtet werden. Bei den sákularen Schwankungen kann der See vollkom­men austrocknen (zuletzt in den Jahren 1865—70) und sieh wieder mit grosser Wassermenge auffüllen. Bei den siebenjáhrigen Schwankungen zeigt der See einen niederen, in der anderen siebenjáhrigen Periode höheren Wasserspiegel. In den jahreszeitlichen Schwan­kungen besitzt der See im Sommer und Herbst den niedrigsten, im Frühjahr den höchsten Wasserstand. Der Neusiedlersee ist ein echter Salzsee, mit hoher Salzkonzentration und sehr hoher alkalischor Reaktion (pH : 8,5—9,5). Die Uesamtsalze schwanken zwischen 2000 und 13 500 mg/l. Dominierende Kation ist Nát­rium, zu Sulfat-, Chlorid- und Karbonat-Anionen ge­bunden. Magnesium und Hydrokarbonate sind reichlich vorhanden. Wasser und Schlamm weisen deshalb eine schon von altén Zeiten bekannte Heilwirkung auf. Streng limnologisch betrachtet ist der Neusiedlersee kein echter See, bei dem litorale, pelagiale und profundale Zone unterschieden werden. Der ganze See zeigt nur litorale Eigenschaften, da die höheren Wasserpflanzen überall Wurzel fassen können. Die profundale Zone fehlt vollkommen. Im engeren Sinne können die aus­gedelinten Schilfbestandé als Litoral, die offenen Was­serspiegel als „Pelagial" aufgefasst werden. In dem Pelagial ist eine reiche Planktonbiozönose vorhanden, mit wenigen euplanktischen Arten, zu denen auch sehr viele tychoplanktische Arten gesellen. Zur Sommer­und Herbst zeit konnten in einem Liter Plankton was­ser 3000—4000 Planktons abgezahlt. werden. Der See ist ein eutropher See. Zur Eutrophie tragen die Gewásser zwischen den Röhrichten bei, wo die weltberühmte Vogelwelt ihr Brutgeschaft durchrührt. Mit Ausnahme der Singvögel schaffen aber die Wasservögel ihre Nahrung in den freien Gewássern ein. Das Wasser zwischen den Röh­richten und in den Kanálén zeigt oft ix-mesosaprobe, an manchen Stellen polysaprobe Verháltnisse mit brauner Farbe, reich an Schwefelwasserstoff. Durch die Wirkung der Winde wird das Wasser nicht nur weit auf die andere Seite gedriiekt, sondern durch den Wellengang bis zum Grundé aufgewirbelt und mit dem Schlamm vermiseht. Das Wasser des „Pelagials" ist auch bei ruhigem Wetter trüb, mit mikroskopischen Mineral- und Detritusteilchen. Der organische Detritus wird durch den Wellengang mit dem Wasser vermiseht, kann durch die Reduzenten nicht ganz abgebaut werden. Für die planktische Tier­welt ist der organische Detritus eine stándige Nahrungs­quelle. Die gesamte „pelagiale" Zone dfes Sees stellt die trophogene Schicht dar. Die Temperatur des W Tassers und Sehlammes folgt rasch der der Luft. Es konnten an warmen Sommerta­gen Temperaturen von 32—34° C gemessen werden. In sehr kalten Wintern kann das seiehte Wasser bis zum Grundé einfrieren, wobei auch der Schlamm hart gefroren ist. Fast die ganze Lebewelt -geht dabei zu­grundé (1721, 1892, 1929). Die Lebewelt des Neusiedlersees besteht aus euryöken und eurytopen, meist salztoleranten Pflanzen- und Tier­arten. Es konnten auch sehr viele endemische Arten nachgewiesen werden, obwohl die mikroskopischen Organismen noch wenig durchgeforscht sind. Der Neusiedlersee ist nicht nur in physikalischer und chemischer, sondern auch in biozönotischer Hinsicht stark astatisch, mit hochgradigem labilem fíleichgewicht. Er ist in der lakustrischen Veralterung weit vorge­schritten. Hotanische und landschaflliche Untersuchungen in den Scliilfbestanden des Neusiedlersees L. Tóth und E. Szabó Die Klárung der Rolle einer liochklassigen Wasser­vegetation habén wir mit dem Studium der Balatonéi­Schilfbestánde angefangen. Im Jahre 1960 setzten wir uns eine ahnliche Untersuchung des Neusiedlersees zum Ziel ; einerseits, weil die botanische Analyse dieses Gebietes noch fehlte, andererseits, um ein vergleichen­des Bild über die botanischen Verháltnisse des Balaton und des Neusiedlersees zu bekommen. Im Laufe einer Reihe von örtlichen Untersuchun­gen konnte es festgestellt werden, dass der auffallendste Charakterzug des Neusiedlersees mit der Schilfbewirt­schaftung zusammenhángt. Unsere wasserchemischen Untersuchungen bestá­tigen, dass sieh die die Beschaffenheit des Wassers der freien Wasserfláche in Richtung W—O eindeutig veránderte. Der pH und C0 3 Inhalt vergrösserte sieh, die Ca" Konzentration wurde geringer. Unsere Versuche, um entsprechend den Balatoner Verhaltnissen zwischen der freien Wasserfláche und dem Festlande eine gleichlaufende, die Schilftypen charakterisierende Veranderung feststellen zu können, endeten mit einem negativen Ergebnis. Im seichten und launisch veránderlichen Wasser der Schilfgebiete des Neusiedlersees konnte sieh eine feste chemische Zone kaum entwickeln.

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