Pester Lloyd-Kalender 1859 (Pest)

Pester Lloyd-Kalender für das Jahr 1859 - Revue von Pest-Ofen 1858

48 Revue von Pest-Ofen. Seelsorger über die Dürftigkeit und Würdigkeit des Darlehnswerbers ein Gutachten an den Magistrat ab­geben. Es müssen die darin gemachten Erhebungen um so wahrheitsgetreuer und gewissenhafter sein, als die Gemeinde die uneinbringlichen Darlehn dem Fonde zu ersetzen hat. Ferner muß das Moment der Ar­beitsfähigkeit des Darlehnswerbers vorzugsweise in Betracht kommen, da dürftige Individuen, die nicht mehr zur Arbeit fähig sind, der Unterstützung ihrer Angehörigen oder der öffentlichen Armenversorgung anheimfallen. Der bedürftige Gewerbsmann verlangt das Darlehen in einem schriftlichen Ansuchen und stellt darüber eine vorschriftsmäßig gestempelte Obligation aus. Das erhaltene Kapital wird in 10 Monatsra­ten zurückgezahlt, doch können auch mehrere Raten auf einmal beglichen werden. Wer nach geschehener Auf­forderung eine fällige Rate beim Depositenamte nicht zurückgezahlt hat, wird dem Magistrate als Saumse­liger einberichtet und durch den städtischen Anwalt zur Rückzahlung des ganzen noch aushaftenden Kapitals gerichtlich verhalten. Da bei dem Gewerbsmanne schließlich in den meisten Fallen die rasche Hilfe ent­scheidend ist, wurde die Nothwendigkeit eines möglichst schleunigen Verfahrens zur Pflicht gemacht. 24 Stun­den nach erfolgtem Aufträge müssen die Erhebungen eingeleitet und das erwähnte Gutachten nebst dem Sittlichkeitszeugnisse des betreffenden Seelsorgers dem Bürgermeisteramte zur unaufgehaltenen weiteren Veranlassung übergeben werden. Mit Ende September d. I. hafteten bei 377 mit Darlehn betheiligten Gewerbsleuten 18,477 fl. 15 kr. aus. Von dem Reste des Fonds waren bei der Pester Commerzialbank 2000 fl. verzinslich angelegt, 1037 fl. 385/10 kr. waren b a a r in der Cassa vorhanden und 390 fl. besaß der Fond an gesicherten noch rückständi­gen Beiträgen. Der ungarische Landwirthschaftsverein nimmt mit Bezug auf die hervorragend agronomische Richtung unseres Landes unter den heimischen Insti­tuten einen der ersten Plätze ein. Um so freudiger mußte die in der Generalversammlung vom 16. und 17. November 1857 erfolgte Reconstituirung des Vereines begrüßt werden. Da nun auch mittlerweile die Bestättigung des gewählten Präsidiums und Ver- waltungsrathes erfolgt war, so konnte am 8. Februar des laufenden Jahres die erste Komiteesitzung abge­halten werden. In dieser Sitzung, welche auch am 9. fortgesetzt wurde, ist die Organisation der Sektio­nen vor sich gegangen und zwar wurden 7 Sektio­nen (1. für Aufklärung, 2. Bodenkultur, Güterorga­nisation und landwirthschaftliche Arithmetik, 3. Vieh­zucht, 4. Weingartenkultur und Kellerwirthschaft, 5. Forstwirthschaft, 6. Baumzucht, Gartenwirthschaft, Seiden- und Bienenzucht, 7. für landwirthschaftliche Maschinenkunde, Technologie und Baukunst) aufge­stellt. Außerdem wurde ein bestimmtes Programm für die Thatigkeit des laufenden Jahres vereinbart. Von den zur Förderung agronomischer Zwecke geeignetsten Elementen dieses Programmes heben wir besondersher- vor; die beschlossene Organisation von Ausstellungen, die landwirthschaftliche Beschreibung Ungarns, die Aneiferung der landwirthschaftlichen Thätigkeit durch Concurrenz und öffentliche Proben, so wie die Abhal­tung von Vorlesungen auf dem Gebiete der Land- wirthschaft. Die Früchte dieses Programmes traten in dem am 4. Juni zu Palota abgehaltenen Concur- renzpflügen, so wie bei Gelegenheit der im selben Monate erfolgten Schaf- und Borstenviehausstellung zu Tage. Der Wetteifer mit Bodenerzeugnissen wurde in einer Ansprache des Vereinspräses Graf Stephan Károlyi warm befürwortet, und auf die wohlthä- tigen Folgen hingewiesen, welche dieses Verfah­ren in Sachsen hervorruft, den bei der angereg­ten Concurrenz siegreichen Bodenerzeugnissen wur­den Medaillen und Belobungsschreiben in Aussicht gestellt. Die für den Novembermarkt beabsichtigte Obstausstellung ist wegen der (mit Ausnahme des Rheins, Belgiens und Frankreichs) allenthalben miß- rathenen Obsternte unterblieben. In dem am Blocks­berge belegenen Musterweingarten des Vereines wurde der Bau des Preßhauses beendigt, und um die Idee der Güterbeschreibung durchzuführen, wurde mit der Aufnahme des Koffuther Besitzthums der Anfang ge­macht, ferner wurden auf Veranlassung der Statthal­terei die Aufnahme der in Ungarn befindlichen Torf­lager eingeleitet, und um dem ungarischen Weine im Oriente Verbreitung zu verschaffen, ging am 13. Sep­tember eine Sendung nach Konstantinopel ab, wohin sich gleichzeitig der Vizepräsident, Finanzrath v. Ko- rizimics begab, um an Ort und Stelle die nöthigen Wahrnehmungen zu machen. Im Laufe des Monats September sind auch Schritte geschehen, um dem Land­volke und den Oekonomen die zweckmäßigsten land- wirthschastlichen Maschinen und Geräthe anzuempfeh­len, so wie die Anlegung von Viehstammbüchern angebahnt wurde. Das Vermögen des Vereines hat sich im Zeiträume von!850—57 um96,866fl. vermehrt. Die ungarische Gartenbaugesellschaft wurde bis zur definitiven Bestätigung ihrer Statuten von einem aus mehreren Gründern zusammengesetzten Kommitee unter dem Vorsitze des Freih. Gabriel v. Pronay vertreten. Nach erfolgter Genehmigung der Statuten wurde für den 13. November d. I. die mit einer Ausstellung verbundene constituirende General­versammlung ausgeschrieben. Die geordnete Thätig- keit des Vereines wird somit erst nach dieser Zeit ih­ren Anfang nehmen. Die Mitglieder verpflichten sich zu einem Jahresbeitrag von 3 fl., Gründungsmitglie­der zahlen Ein- für Allemal 60 fl. Theiß regulirung. In der vom 11. bis 18. Marz in der Wohnung des Grafen Emmanuel An­.

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