Pester Lloyd-Kalender 1859 (Pest)

Pester Lloyd-Kalender für das Jahr 1859 - Revue von Pest-Ofen 1858

Revue von Pest-Ofen. 49 drássy und unter dem Vorsitze des Grafen Georg Ká­rolyi abgehaltenen Versammlung wurde den Reprä­sentanten der Theißregulirungsvereine die erfreuliche Mittheilung von der mit der Nationalbank abgeschlos­senen Anleihe gemacht. Die Nationalbank streckt den Regulirungsvereinen das im A. h. Handschreiben vom 27. Dez. 1857 bewilligte Darlehen von 15 Millio­nen in Pfandbriefen vor, und zwar werden vorläufig nur 8 Millionen in 3 Jahresrathen ausgefolgt, von welchen die erste sich auf 3 Millionen und die beiden anderen auf je 21/2 Millionen belaufen. Die Ver­zinsung ist eine 6%ttge, die Dauer der Amortisation 32 Jahre. Ferner wurde der Beschluß gefaßt, eine Petition an Se. k. k. apostolische Majestät zu richten, damit die 15jährige Steuerfreiheit, welche dem durch die Regulirung der Urproduktion gewonnenen Terrain bewilligt wurde, auch auf solche Grundstücke ausge­dehnt werde, deren äußerst dürftige Produktionskraft erst durch namhafte Opfer und Anstrengungen der Besitzer verbessert werden konnte. Das in der erwähn­ten Generalversammlung aufgestellte Normativ zur Manipulation der Anleihe hat dieGenehmigung der h. Regierung nicht erhalten, und nach den vom Handels­ministerium im Einvernehmen mit den Ministerien der Finanzen und des Innern entworfenen Bestimmun­gen, werden die meisten derjenigen Funktionen, welche durch die Repräsentanten der Regulirungsvereine den Bevollmächtigten, zugewiesen wurden, durch die Or­gane der Regierung vermittelt. Die Regulirungsar­beiten haben auch in diesem Jahre, sowohl was die gesellschaftlichen Arbeiten (Verdämmungen) als auch die Staatsleistungen (Durchstiche) anbelangt, einen erfreulichen Fortgang genommen. Die Pefter ungarische Commerzial- bank (Aktienkapital 1 Million) hat statutenmäßig ihr Girogeschäft auch auf den Realkredit ausgedehnt, und dieser Branche vorläufig einige Hunderttausend Gulden gewidmet. In der Ausschußversammlung vom 12. Juni wurde beschlossen, der Handelsakademie, außer dem bei Gelegenheit der Anwesenheit Sr. k. k. apóst. Majestät gegründeten Stipendium von 100 fl., den Betrag von 400 fl. zu widmen und auch für die fernere Unterstützung des genannten Institutes bedacht zu sein. Der Reingewinn des Rechnungsjah­res belief sich nach Abzug der 5%ttgen Dividende auf 28,250 fl. 44 kr., hiervon wurden 7 fl. per Aktie als Superdividende vertheilt, und der Rest von 14,250 fl. 44 kr. wurde in den Reservefond hinterlegt, der be­reits zu einer 5"/o des gesammten Aktienkapitals über- treffendcn Höhe gestiegen ist. Das Escomtegeschäst des Institutes erreichte int letzten Rechnungsjahre einen Umsang von 9,967,288 fl., das Darlehnsgeschäft von 306,755 fl., und das Darlehnsgeschäst auf Realitä­ten eine Höhe von 354,386 fl. Die umgestalteten Statuten, welche den Wirkungskreis des Institutes wesentlich erweitern, sind A. h. Ortes unterbreitet worden, und es ist gegründete Hoffnung vorhanden, daß die Bestätigung derselben mit nur geringen Mo­difikationen in der nächsten Zeit erfolgen werde. Die Filiale der Kreditanstalt für Han­del und Gewerbe hat in diesem Jahre ihre im Sinne der Statuten eröffneten Geschäftszweige fort­gesetzt. Sie eskomptirt gegen Kassa und Accreditive per Wien, sie belehnt Staats- und Jndustriepapire, Landesprodukte und Waaren, so wie dem Produ­zenten auf anzuhoffende Produkte Vorschüße ertheilt werden, die dann in successiven aus der Jahresernte abzuliefernden Raten zurückerstattet werden. Außer­dem wurde im Laufe dieses Jahres eine Maga­zinverwaltung in Raab und Wieselburg ein­gerichtet, wodurch das Uebergehen der Landespro­dukte von der ersten in die letzte Hand vermittelt wird. Im Uebrigen war die Filiale in der Abwicke­lung jener Arangements begriffen, die sie während der Geldkrise des vergangenen Jahres übernommen hatte. Ein neus Arangement übernahm sie im Monat Juni, wo sie einen intelligenten Oekonomen mit seinen Gläubigern ausglich, indem sie 80°/o der aus 90,000 fl. bestehenden Schuldenmaße sofort aus­zahlte , und die Haftung für den in 3 Jahresraten abzuführenden Schuldenrest und Zinsen bereitwillig übernahm. Bezüglich ihrer Geschäftsausdehnung nimmt die hiesige Filiale den Vorrang ein, vor den anderen in Prag, Brünn und Kronstadt gegründeten Filialen und in dem Vorschußgeschäft auf Waaren hat sie sogar die Mutteranstalt in Wien überflügelt. Dem letzten Geschäftsbericht zufolge gingen bei der hiesigen Filiale im Laufe des I, 1857 Wechsel im Betrage von 9.017,649 fl. eingegangen, das Er- trägniß hievon belief sich auf 76,053. In dem Vor- schußgeschäft in Effekten betrug der Umsatz 1,696,636 fl. und der Nutzen 17,162 fl. das Vorschußgeschäft auf Waaren rief einen Umsatz von 2,746,828 fl. hervor, derselbe war drei Mal stärker als der in die­ser Branche erzielte Umsatz der Wiener Hauptanstalt, und mehr als fünf Mal größer wie der Umsatz in Prag. Im 1.1858 hat sich die Ziffer der sämmtlich hier angeführten Posten vermehrt, und ist besonders das Vorschußgeschäft auf Waaren in einer Weise gestiegen, das der nächste Jahresbericht leicht die doppelte Ziffer aufweisen dürste. Die Donaudampfschisffahrtsgesellschaft ist im Laufe dieses Jahres in eine neue folgenreiche Phase getreten, nach geschehener Aufhebung des Mo­nopols nahm die Zinsengarantie des Staates ihren Anfang. Von den aus ökonomischen Rücksichten vor­genommenen Veränderungen in der Verwaltung wird unsere Stadt durch die geschehene Auflösung der hie­sigen Generalagentie berührt, an deren Stelle eine Hauptagentie für den Lokaldienst getreten ist. Doch scheint diese Veränderung nur eine nominelle zu sein , . d

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