Pester Lloyd-Kalender 1859 (Pest)

Pester Lloyd-Kalender für das Jahr 1859 - Revue von Pest-Ofen 1858

46 Revue von Pest-Ofen. arbeiter, 110 Dienflbothen und 130 Häusler, Gärt­ner und Taglöhner. Die Ziffer der V e r Heirat h eten beträgt ungefähr den dritten Theil der Gesammtbe- völkerung. Die Consumtionsverbältnisse der beiden Schwesterstädte sind noch nicht in allen Theilen sichergestellt, und wir wissen nur so viel, daß jährlich 40,900 Stück Hornvieh abgeschlachtet werden, und überhaupt an verschiedenen Fleischgattungen 20, Mil­lionen Pfund verzehrt werden, eben so wandern alljähr­lich 550,000 Ctr. Mehl in den Magen von Budapest, wohin an Getränken 560,000 Eim. Wein und 120,000 Eimer Bier zu fließen pflegen. Zur Feuerung und Heizung werden jährlich 100,000 Klafter Brennholz verbraucht. Die Zahl des -alljährlich abgeschlachteten Federviehs, das sich jedenfalls auf Millionen beläuft, ist eben so wenig genau festzustellen, wie die Quantitä­ten von Obst, Gemüse und Eier und der anderer Ge­nußmittel, welche in der Verpflegung der beiden Städte eine Rolle spielen. Das Budget der Stadt Pest weist nach den für das Verwaltungsjahr 185% fest- gestellten Voranschlägen folgende Ziffern aus. Die or­dentlichen Einnahmen belaufen sich auf 765,566 fl. 26 kr., rechnet man den Erlös für die Gründe des Winterhafens (30,000 fl.) und die fälligen beiden Raten für die der Donaudampfschifffahrtsgesellschaft verkauften Gründe an der obern Donau (116,000 fl.) hinzu, so beziffern sich die G e s a m m t r e n e v u e n für d. I. auf 911,566 fl. 26 kr. Hiegegen betragen die Ausgaben 1,265,720 fl. 43 kr., und es bleibt somit ein £) e ft c i t von 354,154 fl. 17 kr., welches mittelst eines Steuerzuschlages von 33% % gedeckt wird. Das B u d g e t der Stadt Ofen pflegt in sei­nen Einnahmen und Ausgaben ungefähr % der ent­sprechenden Posten der Stadt Pest zu betragen. Den Voranschlägen für das Jahr 1858 gemäß Beliefert sich die Einnahmen (ordentliche und außerordentliche) der Stadt Ofen auf 320,260 fl. 54 kr., die Ausga­ben betragen 409,523 fl. 25 kr. Das Deficit von 89,263 fl. wird durch Steuerzuschläge int Betrage von 62,938 fl. 30 kr. und der dann noch übrig blei­bende Rest aus den aktiven Kapitalien der Stadt ge­deckt. Nach Vorausschickung dieser auf die Gesammt-- communen bezüglichen Daten gehen wir zu den ver­schiedenen volkowirthschastlichen Instituten über, um von den Spitzen ihrer Thätigkeit eine Anschauung der im ablaufenden Jahre entfalteten Wirksamkeit zu ge­winnen. Wir beginnen mit demjenigen Institute, wel­ches als Organ der volkswirthschastlichen Bedürfnisse für einen großen Theil desLandes, auf den verschie­denen Gebiethen der Industrie und des Handels för­dernd und anregend wirkt, nämlich mit der Pest-Ofner Handels- und Gewerbe­kammer. Ihre vorjährige Thätigkeit beschloß die Kammer mit der Herausgabe einer Belehrung an die Industriellen, die Handels- und Gewerbtreibenden, in j welcher die Notwendigkeit der Buch führung dar- ] gethan wird, so wie mit dem Beschlüsse einer Dank- • adresse an Se. Majestät den Kaiser für die mittelst Handbillets vom 27. Dezember 1857 zu Gunsten der Theißregulirung bewilligte Anleihe. In ihrer dies- | jährigen Jännersitzung wurde aus ein Gesuch der hie- } sigen Bauholzhändler eine Herabsetzung der Gebühren 1 des Donauhafens bei Neupest befürwortet und zwar wurde die Feststellung gewisser Kathegorien der über- j winternden Schiffe und eine dem Flächenranme ent­sprechende Preisbemessung in Vorschlag gebracht, ser- | ner wurde an das k. k. Handelsministerium das Ansu- ] chen gestellt, daß Mustersendungen, welche das Gewicht ! von 2 Pfund nicht übersteigen, von den k. k. Postwa­gen ohne Verzollung so wie ohne Beigabe einer Auo- suhrbollette zur Beförderung übernommen werden dür­fen, so wie sich die Kammer für eine regelmäßige Ex­pedition der Frachtgüter auf den Eisenbahnen verwen­dete, indem sie die Einhaltung gewisser Lieferzeiten • und im Falle der Ueberschreitung die Leistung einer Entschädigung von Seiten der Eisenbahnen befür­wortete. In der oft ventilirten Orientbahnfrage, nämlich in der Bestimmung des Punktes, wo die Ein­mündung dieser Bahn in die südliche Staatsbahn er­folgen solle, hat sich die Kammer für Pragerhof unter Geltendmachung der bekannten Motive ausge­sprochen, und es hat dieser Anschlußpunkt auch später die Genehmigung der h. Regierung erhalten. Aus Anlaß des immer mehr fortschreitenden Verfalles der Pester Jahrmärkte wendete sich die Kammer an das k. k. Generalgouvernement, um eine zweckmäßigere den Mittelpunkt des Verkehres mehr berücksichtigende Dislocirung der hiesigen Jahrmärkte zu erbitten, ein Gesuch, das jedoch, so viel wir wissen, nicht int Sinne des Antrages erledigt ward; in einem anderen vom l. März datirten Gesuche setzte die Kammer die Be- z . weggründe auseinander, welche die Aufhebung des noch in voller Gesetzeskraft bestehenden Morato­riums als wünschenswerth erscheinen lassen. In ihrer Märzsitzung beschloß die Kammer aus Anlaß der in selben Monate vorgenommenen Kammerneuwahlen eine Vereinfachung des complicirten Wahlaktes anzu­suchen, eine Bitte, die später von Seiten des hohen Handelsministeriums Berücksichtigung fand, in der Aprilsitzung trat sie für den Borstenviehhandel in die Schranken, und sprach sich dem Ansinnen des städti­schen Magistrates gegenüber dahin aus, daß die Bor- | stenviehhändler nur für jenen Verkauf, der außerdem „Állás" vor sich geht, eine Marktgebühr entrichten sol­len, da sie ohnedieß schon für die Benützung dieses „Állás" einen Jahreszins zahlen, der der Stadt bei- ! läufig 2000 fl. jährlich einbringt. In ihrer Juni- ; sitzung beantragte die Kammer, die von Seiten der Eisenbahnen den Körnerfrüchten bewilligte Frachter- ] Mäßigung auch auf die aus den Körnerfrüchten ge­wonnenen Mahlprodukte (Mehl, Grieß und Kleie) auszudehnen, der Export dieser Artikel, die in beden­»

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