Pesther und Ofner Wegweiser Kalender 1837

Pesther und Ofner Wegweiser Kalender 1837. - Geschäfts-Kalender der Landwirthschast, für alle zwölf Monate des Jahres

um jetzt an dkesem nicht Mangel zu lewen, die Drescher zu dem Fruchtschober anftellen, dessen Stroh er vor allem andern benothiget. Gewöhnlich wird schon bis diese Zeit Weizen und Kornstroh vorbereitet. 11. Die von der Sommerweide eingestellten, und bis Neujahr fett gewordenen Mastochsen sollen nun verkauft, und an deren Stelle andere angekauft wer­den, wenn der Landwirth Hoffnung hat, auch die von der zweiten Mästung bis Ostern absetzen zu können. Beim Ankauf muß man jederzeit auf Folgendes be­dacht seyn: 1) daß großes grobbeiniges Vieh erkauft werde; 2) daß dieses gesundes Vieh sey, welches dar­an zu erkennen ist, wenn es a) frische Augen, b) ro­chen Gaumen, c) gute Zähne hat, und d) wenn es beim Hals gedrückt wird, nicht hustet; 3) man betű= sie die Schulterbeinschaufeln des Viehes um zu fühlen, ob es Fleisch daran habe, und versuche die Rückenhaut in die Höhe zu ziehen, — löset sich dieselbe empor, so ist es ein gutes Zeichen; 4) das Mastvieh ist jedes­mal, wo möglich, paarweise anzukaufen, und schaar­weise zu ver kaufen, weil man paarweise sicherer einkauft, und schaarweise besser verkauft. Da nun aber die zu­sammengesuchten Ochsen sehr mager, und folglich viel härter, zu mästen sind, darum ist in Bezug des Mä- stens, (außer den Maßregeln, die im November Nr. 16 Vorkommen) Folgendes zu merken: a) Das der Land wirth vor allem andern an Erweichen des Fleisches der Mastochsen bedacht sey; zu dem Ende füttere er dieselben ganze vier Wochen mit Grummet, und tränke dieselben täglich einmal mit dünn aufgelassenem und et was wenig gesalzenem Schrott, daß sie sich ausreini­gen. b) Nach dieser Ausreinigung füttere man ihnen täglich vor dem Heu abgesottenes Gersten- oder Kuku ruz-Schrott, damit sie Fette auf sich sammeln, vorzüg­lich dient hierzu das Gerftenschrott. 12. Bei gelinder Witterung ist dem Viehe täglich zweimal Heu, und Grummet zu füttern, bei stärkerem Frost aber begnügt sich dasselbe auch mit bloßem Stroh oder Schilf (Sás) weil die trockene Luft sowohl das Blut reinigt, als auch den Magen des Viehes zur schnelleren Verdauung stärket. Da inzwischen das Stroh abzehrt, und das Blut verdickt, das grobe Heu (Schilf) aber verstopft, so ist es nöthig, öfters Steinsalz zum Lecken vorzulegen, und darauf Acht zu haben, daß das Vieh nicht Durst leide. Hier ist zu merken, daß der Salz­einkäufer weiße Steine aussuche, denn das schwarze Salz ist erdigt, und das Vieh lecket davon mehr auf. Jedem Vieh muß das Salz in Steinen, entweder zwi­schen ästigem Holz, oder auf die Erde vorgelegt wer­den, damit es dann lecken könne, wenn es ihm belie­big ist. Wenn folglich der Landwirth zwei Stück 90pfündige Steine Salz herausgibt, so ist es für 150 Stück Vieh auf ein Monat genug. 13. Die frische Luft ist sowohl zur Erhaltung, als auch zur Stärkung der Gesundheit des eingeschlossenen Viehes sehr zuträglich; derowegen soll der Landwirth zum Auszug der Stallausdünstungen die bei den Bo­den-Traumen befindlichen Fenster hinlänglich öffnen, das Stallvieh selbst, wenn es die Witterung zuläßt, täglich zu Mittag in den Hof hinaus treiben, nur mit der Vorsicht, daß das erwärmte Vieh nicht plötzlich in die Kälte gelassen, sondern zuvor durch Eröffnung der Stallthüre die innere Luft ebenfalls, wenn noch das Vieh darin stehet, ganz langsam abgekühlt wer­de. Während nun das Vieh draußen ist, lasse man durch die Knechte ausmiften, und unter das Vieh, je größer die Kälte ist, desto dicker Streu machen, wel­che Reinlichkeit zur Gesundheit des Viehes sehr viel beiträgt. 14. Die Viehstallungen besichtet der Landwirth zwar auch des Tages, aber insbesondere früh Mor­gens und Abends, und untersucht, ob die Knechte auf das Licht Obhut tragen, mit dem Futter nicht ver­schwenderisch umgehen, das Vieh und den Stall rein­lich halten; und da die Maftochsen einen wärmeren Stall brauchen, so gibt er besonders darauf Acht, daß in diesem die Luft nicht faule, und derlei Ochsen sich so wenig als möglich bewegen. 15. Die Schafe sollen auch in der größten Kälte, falls der Schnee nicht groß ist, auf die gefrornen Saatenfelder und andere Weiden getrieben werden, weil das grüne Futter das Blut dieser Thiere reiniget, und sie vor der Frühlingsseuche bewahret. 16. Die Schafler sind gerne verschwenderisch; dieß gestatte der Oekonom ja Niemand, sondern er­mahne Jeden auf seine Pflicht und Sparsamkeit, und wirthschafte selbst auch dergestalt, daß er mit dem Futte^ darauskomme, und das Beste bis zur Lämmer - zeit spare. Gewöhnlich werden auf 100 St. Schafe 6 gute Fuhren Heu gegeben, welche für die Schafe, da in einer jeden Wirthschaft auch Sommerftroh vor- sindig ist, hinreichen sollen? 'Doch geschieht es zuwei-

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